Autor: Volker
Heute ist es so weit! Wir lassen Tokio und das Sakura Hotel fürs Erste hinter uns. Was für eine tolle Stadt und was für ein Auftakt für einen unvergesslichen Urlaub. Kann das noch besser werden? Das werden wir noch herausfinden. Für heute stehen noch einige Herausforderungen an, neben dem Check-out und dem Umtauschen des Coupons für den JR-RAILPASS müssen wir auch gleich inmitten des Berufsverkehrs mit unseren riesigen Rucksäcken durch die halbe Stadt. Hoffentlich hauen wir da niemanden um. Der JR-RAILPASS ist ein von der japanischen Eisenbahngesellschaft „Japan Railways Group“ angebotener Fahrschein, der sich gut für das Reisen durch Japan eignet, mit ihm hat man Zugang zu sämtlichen Strecken der JR-Line. Diese beinhalten einige Fähren, Intercity und Express Linien sowie den sagenumwobenen „Shinkansen“. Wobei das Wort „Shinkansen“ sich nicht auf den Zug, sondern viel mehr auf die Bahnstrecke bezieht „shin“ (新) für „neue“, „kann“ (幹) für „Haupt-“ und „sen“ (線) für „Strecke“ also neue Hauptstrecke, wenn man so meint. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 206 km/h ist der „Bullettrain“ hier auf speziell für ihn gebauten Strecken unterwegs. Bevor wir jedoch die Ehre hatten, mussten wir erst noch etwas frühstücken. Nach dem Check-out ging es zum Bäcker unseres Vertrauens, um die letzten noch nicht verköstigten Stückchen zu probieren. Sichtlich erfreut begrüßte uns die Bäckerin als wir ihren Laden betreten. Da es sich um einen kleinen Laden handelte, wartete einer von uns mit den Rucksäcken draußen, im Allgemeinen ist es hier üblich auf die anderen zu achten und sie nicht in ihrem Alltag zu stören. Nachdem wir gezahlt hatten, verabschiedeten wir uns noch einmal förmlich und suchten uns einen ruhigen Ort zum Essen. Eine kleine begrünte Anlage mit zwei Bänken lud uns ein, dort unser Frühstück zu verzehren. Das Essen war wie immer „oishii“. Nachdem wir aufgegessen hatten, nahmen wir unseren Müll mit und sammelten auch das bisschen ein, was dort im Busch lag, vermutlich wurde es vom Wind dorthin geweht. Die Stadt ist so unfassbar sauber, dass jeder kleine Müll auffällt. Irgendwie fühlt man sich auch direkt verantwortlich, dass man seinen Beitrag dazu leistet, dass das auch so sauber bleibt.




Vom Frühstück gestärkt, reisten wir über die Nippori-Station zum Bahnhof Tokyo. Dort lösten wir unsere Coupons für den JR-Pass ein und später sollte auch unser Zug hier abfahren. Das Eintauschen ging unkompliziert und schnell im Japan Rail Café. Wir zeigten unsere Coupons und Reisepässe vor und erhielten unseren JR-Railpass. Selbstverständlich buchten wir von dort aus auch unsere Sitzplätze zu unserem nächsten Reiseziel. Die Zeit war gekommen, unsere erste Fahrt mit dem Shinkansen, mein Herz pochte. Auch hier war wieder alles ordentlich beschriftet, Menschen warteten in geraden Reihen an den richtigen Eingängen bis sie den Zug betreten durften „sugoii“. Der Zug stand schon bereit, es wurde noch kurz alles sauber gemacht, bevor wir eintreten durften. Langsam und in Reihe stiegen wir ein und setzten uns auf unsere Sitze, verstauten unser Gepäck über uns in einer dafür vorgesehenen Ablage, keine Minute später und mit nicht einer Sekunde Verspätung startete der Bullettrain. Die Beinfreiheit war genial, die Sitze ließen sich nach hinten klappen und die Sitzfläche nach vorne ausfahren, das war entspannt. Durch das Fenster schauend, fuhren wir Richtung Fukushima, richtig gelesen Fukushima, die Stadt in der vor zwölf Jahren das Atomunglück stattfand. Die Zugfahrt dauerte ca. zwei Stunden, bei der wir eine Distanz von ca. 240km zurückgelegt haben. Schock! Nach etwa einer Stunde unserer kleinen Bahnreise fiel auf, dass das Hotel in der falschen Stadt ist. Da hatten wir wohl nach einem Hotel in der Präfektur Fukushima gesucht und nicht in Fukushima selbst, das erklärte auch den doch sehr günstigen Preis. So endete unsere Reise schon in Kōriyama, also eine Station früher. Noch nie was von gehört? Wir auch nicht.


Nach erfolgreichem Check-in im Hotel Livemax, sind wir wieder zum Bahnhof von Kōriyama gelaufen, um uns noch einmal in Fukushima umzusehen. Nach einer 15-minütigen Reise mit dem Shinkansen erreichten wir also endlich Fukushima, nur um festzustellen, dass es hier vielleicht doch nicht viel zu sehen gab. Schnell entschied sich die Gruppe auf den nahegelegenen Berg „Shinobuyama“ zu steigen, um uns einen besseren Blick über die Stadt zu verschaffen. Matze leitete uns wie immer mit kleinen Umwegen an örtlichen Attraktionen vorbei zu unserem Aufstieg. Auf einer Höhe von 275m konnte man hier über ganz Fukushima schauen. Schüler, die gerade Schulschluss, hatten grüßten uns auf unserem Weg und wir grüßten zurück. Überrascht von unserer Fähigkeit „Hallo“ auf Japanisch zu sagen gingen wir wieder unserer Wege. Schritt für Schritt ging es nun den Berg hinauf, zuerst an einem Friedhof vorbei, dann an Schrebergärten, letztlich noch an der Weltfriedensglocke. Selbstverständlich gingen wir der Bitte nach, diese auch zu läuten, im Namen des Friedens. Auf dem Berg angekommen konnten wir gerade noch die letzten Sonnenstrahlen einfangen, bevor die Stadt im Dunkel erstrahlte. In tiefschwarzer Nacht stiegen wir den Berg hinunter.





Nach einem üppigen Abendessen ging es zurück nach Kōriyama. Dort wollten wir heute Abend noch in eine Rock-Bar gehen, welche wir zuvor glücklicherweise gefunden hatten. Zuvor ging es erstmal ins Hotel, die richtige Kluft anlegen. Auf ging es ins Nachtleben. Im Club angekommen, zahlten wir den Eintritt, um dann zu realisieren, dass wir erst zur vorletzten Band erschienen sind. Zu unserem Erstaunen saßen selbst hier die Gäste in Reihe und Glied, während sich Bands auf der Bühne alles taten, was in ihrer Macht stand, um der Crowd einen so schön wie möglichen Abend zu gestellten. Ich selbst hielt es schon bald kaum aus und musste erst einmal ordentlich Headbangen. Nachdem wir auch der letzten Band lauschten und auch das ein oder andere Bier verschütteten, war der Abend zu einem Ende gekommen. So dachten wir zumindest, kaum war das letzte Lied beendet worden wir schon von der Seite angesprochen. Eine nette Frau, die halbwegs gut Englisch sprechen konnte, kam mit ihrem Freund zusammen auf uns zu und erklärte und dass die Bands und die Crew noch einmal zusammensitzen und über das Leben philosophieren wollen, zudem gab es noch ein kleines Buffet und Freibier bis zum Umfallen, wobei für außenstehende noch eine kleine Gebühr von 3000¥ fällig wurde. So wurden wir halt Teil der Crew. Wir lachten und sangen, erzählten Geschichten und sprachen über kulturelle Unterschiede unserer beiden Nationen. Die Stimmung war ausgelassen und auch die anderen anwesenden wurden so langsam warm mit uns. Alles in allem kann ich nur sagen, was zu Beginn noch wie ein Fehler auszusehen schien, begann sich als totalen Erfolg herauszustellen. Wir konnten sogar noch von einigen einheimischen erfahren, was wir auf dem Weg nach Sapporo unbedingt noch sehen sollte. Doch was das ist, werdet ihr wohl erst beim nächsten Beitrag erfahren.


Hier noch weiter Bilder:













Oma Mai 15, 2023
Na macht mal so weiter.die haelfte habt ihr jetzt schon rum.geniesst es. Viel spass noch.😎😎😎