Autor: Kevin
Das Wetter war nass und verregnet. Die Köpfe noch schwer vom Vorabend. Wir entschieden uns vorerst von Korijama nach Fukushima zu fahren, um dort zu Frühstücken bzw. von der Tageszeit und den Speisen war es schon eher Mittagsessen. Einen richtigen Schlechtwetterplan, hatten wir nicht. In Fukushima gab es auch nicht wirklich was zu tun für uns, also entschieden wir aufs Land zu fahren. Mit der Bahn ging es zum Inawashiro-See. Er liegt westlich von Korijama und ist der viertgrößte See in Japan. Die Anwohner nennen ihn auch liebevoll „Himmlischer Spiegelsee, 天鏡湖, Tenkyōko)“. Durch seine erhöhte Lage versorgt er die umliegenden Städte wie Aizu, Korijama und Fukushima mit Trinkwasser. Dafür wurde bereits im Jahre 1882 ein Kanal angelegt. Wir stiegen ein paar Stationen vor dem See aus und noch ein bisschen durch die anliegenden Dörfer zu spazieren. Es ist schon ein starker Gegensatz zur Großstadt. Überall Reisfelder, kleine Siedlungen, Häuser und Leute, welche mit Gartenarbeit beschäftigt sind. Die einzige Konstante war die Sauberkeit, Getränkeautomaten und die fehlenden Mülleimer. Wir kassierten ein paar Blicke von den Anwohnern, da sich hier offensichtlich selten Touristen hin verirren. Aber ein nettes Lächeln und ein „こんにちは – Kon’nichiwa“ und das Eis ist gebrochen. Die Leute freuen sich und ab und zu kommt man auch mit ein paar Brocken Englisch und Japanisch in einen kurzen Smalltalk.




Am See angekommen, belohnten wir uns erstmal mit einem Eis. Es gab die Klassiker wie Erdbeere oder Schoko, aber auch Sesam oder Honigmelone. Der See war umgeben von kleinen Bergen. Das Wetter war mittlerweile eine Mischung aus Sonne und Wolken und wir entschieden uns dort ein wenig zu verweilen. Das Wasser war klar, aber die Temperatur war nicht optimal zum Baden. Wir hätten so oder so keine Badesachen dabei gehabt.



Eher spontan entschieden wir uns dann noch in den nächsten Ort „Aizu-Wakamatsu“ zu fahren. Eine Burg mit Garten sollte uns dort erwarten. Der Weg zum Bahnhof ging wieder durch Siedlungen. Es ist äußerst auffällig, wie viel Mühe sich jeder gibt, einen schönen, grünen Garten zu haben. Die Beete sind mit Blumen gefüllt und die Hecken und Bäume immer in Form gebracht. Hin und wieder sieht man auch noch blühende Kirschbäume. Mir gefällt das auf jedenfalls sehr gut!
Aizu-Wakamatsu ist eine kleine Universitätsstadt und grenzt im Westen an den Inawashiro-See. Klein ist natürlich immer ein wenig relativ. Die Stadt hat ca. 100.000 Einwohner, aber wird durch die großen Metropolen einfach in den Schatten gestellt. Ihren Ruhm und ihre Bekanntheit entstand in den vergangenen Epochen, in denen sie deutlich mehr Relevanz in Japan hatte.
Der damalige Mittelpunkt der Stadt bildete die Burg Aizu-Wakamatsu. Das im Jahre 1384 errichtete Gebäude, wird auch „Kranichburg“ (鶴ヶ城, Tsuru-ga-jō) genannt.
Sie war einst die größte Festung in Nord-Osten Japans und spielte in einigen Kriegen und Konflikte eine große Rolle. Unter anderen im Boshin-Krieg. Dort erfolgte ein Angriff auf die Burg am 6. Oktober 1868. Nach einer einmonatigen Belagerung unter verheerendem Artilleriebeschuss kapitulierte der Aizu-Klan unter Matsudaira am 6. November. Die Burg fiel an die neue Meiji-Regierung. Die Burganlage wurde 1965 restauriert und als Museum neu eröffnet.



Der Weg vom Bahnhof zur Burg dauerte ca. 30 Minuten. Uns erwartete eine Festungsanlage, umgeben von einem üppigen Wassergraben. Innerhalb der Mauern gab es viele Grünflächen mit Pflanzen und Kirschbäume. Dort standen einst Häuser und Gebäude für die einfachen Arbeiter der Festung. Die Burg an sich sah bezaubernd aus. Schneeweiß und die verschiedenen Etagen mit jeweils einem kleinen Dach. Es ist glaube schon so das Bild, welches man vor Augen hat, wenn man an eine klassische japanische Burg denkt. Im Burghof waren noch einige kleine Schreine und Altäre und ein Teehaus. Die Ausstellung in der Burg war leider größtenteils in Japanisch. Die erste Etage war gefüllt mit Samurai-Schwertern. Es scheint wohl grundsätzlich verboten zu sein, Schwerter zu fotografieren. Habe bedauerlicherweise nach kurzer Recherche keine Informationen gefunden, was der Grund dafür ist. Ich gehe aber mal davon aus, dass keine Kopien entstehen. Die Klingen an sich sehen wie neu aus, obwohl einige über 500 Jahre alt waren. In der zweiten Etage befanden sich verschiedene Samurai-Rüstungen der letzten Jahrhunderte. In Etage drei und vier konnte man einiges über die Geschichte und die Kriege der Burg erfahren, aber enttäuschenderweise war mein Japanisch zu schwach. Ganz oben konnte man auf einer Aussichtsplattform über die Stadt schauen. Alles in allem fand ich es sehr cool. Da es langsam dunkel wurde, ging es zurück zum Bahnhof. Auf dem Rückweg machten wir noch einen Halt in einem Ramen-Restaurant und dann ging es mit der Bahn zurück ins Hotel nach Korijama.











Oma Mai 17, 2023
Sehr schoen alles.bei uns ist es kalt .da verpasst ihr nichts.😊😊😊