Autor: Kevin
Der Wecker klingelte heute später. Die Nachwirkungen der letzten Nacht fesselten uns an das Bett. Das einzige Gegenmittel für diese Paralyse war die kalte Dusche. Irgendwann gegen 10:30 waren wir dann endlich aus dem Hotel und starteten in unseren vorerst letzten Tag in Tokio. Da Tokio unser Start und Endpunkt der Reise ist, werden wir nochmal am Ende ein paar Tage hier verbringen.
Die Reisegruppe war heute relativ träge unterwegs. Unsere erste Anlaufstelle des Tages war der Garten „Rikugi-en“. Es lag ca. 30 Minuten nördlich von unserem Hotel. Heute war glücklicherweise auch ein Feiertag „Tag des Grünen“ in Japan. Das heißt, an diesem Tag waren sämtliche Parks, Gärten und Museen kostenfrei. Im Garten angekommen, gab es zum Frühstück erstmal Kinako-Kuchen und Grüntee. Sehr traditionell. Der aus Sojabohnenmehl hergestellte Kuchen, war mit einer Art Zimtpulver ummantelt, was das Gericht sehr süß machte. Der Park an sich war wie gemalt. Überall standen tolle Bäume und Pflanzen, darunter auch einige Kirschbäume und große Bambuspflanzen. In der Mitte war ein kleiner See, welcher am Rand immer wieder kleine, süße Brücken zum Rüberlaufen hatte. Ihn ihm schwammen große Karpfen und Schildkröten. Der Garten war nicht riesig, aber wir konnten hier gut zwei Stunden verbringen. Das Grün wurde im Jahr
1700 für den fünften Tokugawa Shogun angelegt. Das Wetter war sonnig und es ist einfach nicht schwer in dieser enorm großen Metropole Orte mit Ruhe und Frieden zu finden. Dieser entspannte Einstieg in den Tag war auf jeden Fall das, was wir gebraucht haben.





Als Nächstes machten wir Halt bei einem Bäcker, planten die kommenden Tage und buchten die nächste Unterkunft. Nicht gerade aufregend, aber das gehört halt auch dazu.
Die letzte Sache, welche bei uns auf der Agenda stand, war die Insel Odaiba. Dabei handelt es sich um eine künstlich erzeugte Insel im Süden von Tokio. Die Insel bestand ursprünglich aus vielen kleinen Inseln, welche in der Edo-Periode gebaut wurden. Sie dienten als Fort gegen potenzielle Angriffe. Viele Jahrzehnte später wurde aus vielen kleinen einzelnen Inseln eine große. Tokio startete 1980 ein riesiges Bauprojekt, um dort einen futuristischen Stadtteil entstehen zu lassen. Das Projekt wurde nicht fertiggestellt und 1990 war die Insel eine Geisterstadt. Ende der neunziger ist die Insel wieder in die Aufmerksamkeit gezogen worden, aber die futuristische Vorstellung wurde verworfen. In den letzten Jahren siedelten sich dort riesigen Einkaufshäuser an, es gab nun endlich einen Stadtstrand und viele weitere Dinge zur Unterhaltung.


Mit der Bahn kamen wir unkompliziert auf die Insel. Das Wetter war perfekt. Die Sonnencreme dick aufgetragen und wir bereit den Strand unsicher zu machen. Dort angekommen erwartete uns durch den Feiertag ein Beach Sport Festival. Sämtliche Sportarten waren dort vertreten. Fußball, Volleyball, Slackline, aber auch sehr unkonventionelle Sportarten wie zum Beispiel Tischtennis-Volleyball. Zumindest habe ich das persönlich noch nie gesehen. Man hat eine gewölbte Platte und spielt mit einem Volleyball nach den Tischtennisregeln. Sah auf jeden Fall verdammt cool aus. Wir stapften den Strand entlang und schauten überall ein wenig zu. Es gab verschiedene DJs, welche das ganze Fest noch musikalisch untermalten. Die Stimmung war mega geil. An einem schattigen Platz machten wir dann etwas länger Pause und haben einfach mal den Moment genossen.

Dazu gab es aus einer der unzähligen Getränkeautomaten etwas Erfrischendes zu trinken. Und ich muss diese Automaten hier auch mal positiv hervorheben. Die Teile stehen in jeder Straße, funktionieren immer, sind nicht leer, die Getränke sind gekühlt, man hat eine große Auswahl und die Preise sind fair. (Wasser 600ml 110¥ = 0,73€). Es gibt sogar einige Automaten, wo man heiße Getränke bekommt oder auch kleinere Snacks.



Nach unserer langen Pause ging es die Promenade zurück. Auf unserem Spaziergang entdeckten wir auch die Freiheitsstatue.
In den Straßen entdeckten wir direkt die nächste Veranstaltung. Der Musik und dem Essen zufolge handelte es sich wohl um ein Latino-Fest. Der Platz war aber relativ vollgestopft und wir sind einfach nur durchgelaufen. Auf der anderen Straßenseite gab es direkt noch ein klassisches Streetfood-Festival. Aber selbst das konnte uns nicht halten. Denn am Horizont sahen wir schon Heimat. Ein großes Banner an Eingangstor schrieb „Oktoberfest“. Dazu spielten die besten Hits direkt von der Playa de Palma. Leider gab es für Deutsche keinen kostenlosen Eintritt. Es sah jetzt auch nicht unbedingt spektakulär aus. Das Fest verkörperte, alles, was wohl Japaner mit der bayerischen Kultur verbinden. Wir entschieden uns gegen den Eintritt. Wir sind ja nicht um den halben Planeten geflogen, um letztendlich doch wieder im Nachbarbundesland zu sein. Es war übrigens nicht möglich, sich bezüglich kultureller Aneignung zu beschweren. Das ist mir vor Wut fast der Federschmuck vom Kopf gefallen. Bevor es zurückging, schlenderten wir noch ein wenig durch die Parks und Straßen, entdeckten noch eine riesige Gundam-Figur. Gundam ist eine sehr große Science-Fiction-Franchise in Japan.



Da wir an diesem Tag noch nicht die 20.000 Schritte geschafft haben, ging es per Fuß über die Rainbow-Brücke zurück aufs Festland. Ihren Namen erhielt sie durch die bunte Beleuchtung bei Nacht. Die Brücke ist 798m lang und 48m hoch. Unser Fußmarsch über sie dauerten ca. 30 Minuten. Durch die tief stehende Sonne war der Ausblick auf Tokio traumhaft.
Wir trafen auf der Brücke auch einen Deutschen, welcher uns seine Erlebnisse aus den letzten Wochen teilte.
Am Ufer angekommen suchten wir noch was Leckeres zu Essen und anschließend ging es zurück ins Hotel. Wir mussten noch etwas Schlaf vom Vortag aufholen.



Hier noch ein paar weitere Bilder:













