Autor: Volker
Heute, zieht unsere kleine Reisegruppe weiter Richtung Norden. Hachinohe eine mit ca. 200.000 Einwohnern kleine Fischereistadt. Wir entschieden uns für Hachinohe, weil die Stadt auf dem Weg nach Sapporo lag, nicht etwa, weil sie bekannt für irgendetwas ist. Aber gerade an solchen Orten entdeckt man vielleicht die Juwelen, die die Reise besonders machen. Doch bevor wir nach Hachinohe fuhren, ging es erstmal nach Ichinoseki, eine kleine Stadt nördlich von Sendai. In Ichinoseki gab es neben einem kleinen Wasserfall auch noch eine berühmte Glaswarenboutique. Also der perfekte Ort, um wandern zu gehen. In Ichinoseki nutzten wir zum ersten Mal die Schließfächer am Bahnhof, um unser Gepäck zu verstauen. Mit 300¥ ein angemessener Preis, die Schließfächer waren sogar so groß, dass zwei unserer großen Rucksäcke dort hineinpassten, genial. In der Stadt ging es dann weiter mit dem Bus. Die Busse hier sind, wie sich herausstellt, nicht im JR-RAILPASS enthalten. Nachdem wir das herausgefunden hatten, stellte sich uns nur noch die Frage an welcher Station unser Bus Abfuhr, mit zehn Möglichkeiten gar nicht so leicht. Unsere Busnummer war die 10 also gingen wir natürlich auch davon aus das die 10 auch richtig ist, falsch gedacht. Eine Gruppe von Schulmädchen bemerkte unsere zutiefst verzweifelten Gesichter auf der Suche nach der richtigen Haltestelle und führte uns kichernd zur richtigen Haltestelle, welch gute Manieren. Im Bus zogen wir letztlich die Tickets, die später zusammen mit dem zu bezahlenden Geld wieder beim Fahrer abgegeben werden. Auf der gezogenen Karte steht die Nummer der aktuellen Zone und auf einer Digitalanzeige der Preis für die entsprechende Zone, den du zu zahlen hast, wenn du an der aktuellen Haltestelle aussteigen willst, sehr effizient.
Das Wetter war kalt, grau und nass. Also kein optimaler Zeitpunkt, um sich für eine Wanderung zu entscheiden. Durch Regenjacken geschützt wanderten wir letztlich von der Haltestelle zum nahegelegenen Fluss, an dem ein berüchtigter Wasserfall sein Unwesen treiben sollte. Der Flusslauf war von einem kleinen Canyon umgeben und eine Hängebrücke ermöglichtet es, auf die andere Seite zu kommen. Die Steine am Rande des Flusses waren verdammt rutschig und trotz unserer Wanderschuhe mussten wir richtig vorsichtig sein. Wir waren nicht die einzigen Touristen, die bei dem Wetter auf die Idee kamen, diesen Ort mal einen Besuch abzustatten. Eine kleine Traube von Menschen sammelte sich am Ufer. Vor ihnen stand ein Schild und ein Hammer mit Gong. Außerdem führte ein Seil auf die andere Flussseite in ein Haus. Sehr merkwürdig, dachten wir uns. Ein Mädchen schlug mit dem Hammer auf die Scheibe und am anderen Ende des Seils tauchte ein Koch aus dem Haus aus. Über ein Körbchen am Seil wurden hier „Bentō-Boxen“ über das Wasser gezogen. Es ist eine in Japan sehr beliebte Form zu Speisen, bei der verschiedene Kleinigkeiten (Fleisch, Fisch, Gemüse und Reis) in einer Lunchbox, welche durch Trennwände segmentiert werden, mittels Essstäbchen verzehrt werden. So eine Art von Lieferdienst haben wir auf jeden Fall noch nie gesehen. Es war sehr lustig anzuschauen.


Die Reise ging weiter das Flussufer entlang. Mittlerweile regnete es in Strömen, aber nichts konnte unsere Stimmung heute zum Kippen bringen. Das Ziel war ca. vier Kilometer flussaufwärts. Wir hatten mittlerweile die Stadt verlassen und es war nur noch eine Mischung aus kleinen Siedlungen und Reisfeldern. Es war nicht mehr weit bis zum wahrscheinlich schönsten Wasserfall der Region. So dachten wir zumindest hier und dort standen Schilder, die keiner lesen konnte. Nach einer gefühlten Ewigkeit fanden wir nichts, aber absolut gar nichts. Wir waren genau an dem Ort, der auf der Karte markiert war. Vielleicht ist es doch nicht immer so sinnvoll, einfach blind jeden Beitrag im Internet zu vertrauen. Enttäuscht kehrten wir zur Bushaltestelle zurück.











Der Bus war wie immer pünktlich. Mit dem Shinkansen ging es dann über Sendai zu unserer nächsten Stadt. Wir erreichten Hachinohe im Handumdrehen. In Hachinohe sind die Menschen nicht an Europäer gewohnt, schon auf dem Weg zum Hotel sahen uns allerhand Menschen skeptisch an, gingen uns aus dem Weg und ein älterer Herr verwickelte uns in ein kurzes Gespräch. Er fragte, wo wir herkommen und wuschelten mir ohne zu zögern einfach durch den Bart. Er war offensichtlich beeindruckt von diesem Flaum. Das Eis war gebrochen, hier, so hatte ich das Gefühl, können wir wieder einiges erleben. Im Hotel angekommen stellte sich heraus, dass es sich um ein Raucherhotel handelte, es war nicht gerade optimal, aber für uns war das kein Problem. Da es schon recht spät war, entschieden wir uns nach einer ordentlichen Dusche noch einmal in die Stadt zu gehen und etwas zu essen zu finden. Nach einiger Zeit und der Realisierung, dass wir verdammt spät dran waren wurden wir von einer netten Dame in ein Lokal geleitet, das Mädchen wirkte freundlich und war sichtlich erfreut als wir ihr folgten. Im Lokal bekamen wir ein Separee, damit wir ungestört unser Essen genießen konnten. Nach dem dritten Bier entschieden wir uns auch für die richtigen Speisen. Man merkte direkt, dass Hachinohe kein Touristenort ist. Die Kellner, Köche und selbst die Dame vom Eingang kamen immer wieder vorbei und wollten einen Blick von uns erhaschen, verständlich, immerhin sahen wir schon verdammt gut aus. Nach dem Essen gab es noch einen Sake und wir unterhielten uns noch mit einer der Damen, ihr Englisch war nicht allzu gut, aber sie hatte eine gute Seele. Schließlich fragte sie uns, was wir in Hachinohe noch vorhaben und wir erzählten ihr davon, dass wir den Abend noch in einer Kneipe verbringen wollten. Wir fragten sie zugleich, ob sie hierzu einen guten Ort kennt. Schnell zückte sie und die Kollegin ihr Handy und suchten nach einer passenden Lokalität für uns. Nachdem sich die beiden kurzgeschlossen hatten, führte sie uns persönlich zum Lokal.

Dort angekommen, dachten wir uns schon, der Abend wird teuer. Der Laden vor uns war ein nobles Weinlokal, in dem kaum Platz für uns vier und den Sommelier war. Freundlich empfing er uns und unterhielt sich noch kurz mit der netten Dame, die uns zu ihm geführt hatte. Auf unserem Weg zum Lokal hielten wir noch ein wenig Smalltalk und erfuhren, dass die Frau tatsächlich die Köchin der Gerichte vorher war, genial. Im Laden angekommen grüßte uns noch ein netter Herr aus der Ecke. Mit gebrochenem Englisch begann er uns direkt in ein Gespräch zu verwickeln und machte zugleich ein Foto von uns für seine Freundin. Hier waren wir wohl was ganz Besonderes. Zwischen spannenden Gesprächen füllte sich der Laden mehr und mehr. Neben einem schrulligen Mann stoß noch der Geschäftspartner des Weinladenbesitzers dazu. Er war Koch und hatte sein Lokal direkt nebenan. Ein Wein nach dem anderen wurden geleert und wir kamen in viele lustige Unterhaltungen. Einer der Männer war Seefahrer und stammte aus Hokkaido. Nett wie er war, empfahl er uns einige Orte, die wir unbedingt sehen sollten. Neben Sapporo, kam noch der bekannte Fischmarkt in Hakodate auf unsere Liste. Wie durch Zufall kamen wir auf auch auf das Thema „Sake“ und dass wir noch gar nicht so richtig welchen probieren konnten. Zugleich verschwand der Koch zur Tür und holte zwei 3L Flaschen Sake aus seinem Laden. „sugoii“. Wir übernahmen auch die Kontrolle über die Musikanlage und sangen ein paar deutsche Punk-Rock-Songs. Der Abend wurde schon längst zur späten Nacht als urplötzlich Matze von unserem neuen Freund nach draußen gezogen wurde, er wollte ihn zum Küchenchef ausbilden. Für Matze ging es zusammen mit dem Chefkoch in das benachbarte Restaurant. Einige Zeit später kam er mit einem wundervoll angerichteten Fischtatar zurück. Erstaunt probierten wir alle von seinem Gericht, während er uns berichtete, was das Geheimnis hinter der japanischen Küche ist. Matze war beeindruckend, wie das Messer gehalten werden muss in und in welcher Bewegung der Fisch geschnitten wird und so weiter. Etwa um 3 Uhr morgens entschieden wir uns ins Hotel zurückzukehren. Ein unvergesslicher Abend.







Oma Mai 24, 2023
Einfach toll.👍👍👍
Volker Mai 28, 2023
da wäre ich gerne mit dabei gewesen:)