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Tag 8 – Möwen-Mekka

Autor: Matze

Nach der ersten Nacht in Hachinohe, welche zugegeben recht kurz war, haben wir uns dazu entschieden, die Stadt ein wenig zu erkunden.
Wir wollten gerade losgehen, als wir bemerkten, dass es stark regnet. Da wir uns aber stets zu helfen wissen, haben wir einfach an der Rezeption des Hotels nach ein paar Regenschirmen gefragt. Was uns direkt auffällt: In Japan sind die meisten Regenschirme durchsichtig – ziemlich nützlich, wenn man auf Entdeckungstour geht. Das erste Ziel war ein Onsen, welcher uns am Abend zuvor von einheimischen empfohlen wurde.

Zur Information:
Ein Onsen ist ein traditionelles heißes Bad in Japan. Die Becken hierfür sind ca. knietief und bis zu 15 qm groß. Öffentliche Becken sind weit verbreitet, diese sind aber steht’s zwischen den Geschlechtern getrennt. Dennoch gibt es auch privat Bäder, welche man sich mieten kann. Hier ist es egal, mit wem ein heißes Bad nehmen möchte. In den meisten Onsen darf man keine Tattoos tragen, was auf die kriminelle Organisation „Yakuza“ zurückzuführen ist. Denn jedes Mitglied hat mindestens ein Tattoo. Es wird auch prinzipiell nackt gebadet. Bevor man sich in ein heißes Bad begeben kann, muss man sich gründlich waschen, damit das Wasser nicht verschmutzt wird.

Wie üblich haben wir den guten alten Fußbus genutzt, um von A nach B zu kommen – wir wollten ja auch wieder auf mindestens 20.000 Schritte kommen. Auf dem Weg dorthin haben wir uns ein üppiges Frühstück in einem Café gegönnt, welches auch dringend nötig war. Als wir fertig waren, ging die Entdeckungstour weiter. Die nächste Ablenkung war aber nicht weit entfernt … kaum 500 Meter weiter, lächelte uns ein großes buntes Gebäude an. „Was ist denn da drinnen?“, haben wir uns alle gefragt. Neugierig wie eh und je mussten wir dort sofort hineinschauen. Als sich unsere Gruppe in dem Gebäude wieder gefunden hat, konnten wir unseren Augen nicht trauen … Dort gab es alles was das Herz begehrt!!!

Du brauchst neue Kleidung? – ✅
Du brauchst neue Ausrüstung zum Fischen? – ✅
Du bist ein Mangafan und suchst was Neues zum Lesen? – ✅
Du willst Dir eine Konsole oder Spiele kaufen? – ✅
Du suchst nach einer seltenen Pokémon Karte? – ✅
Du suchst nach einem Instrument? – ✅

Und die Liste ist noch lange nicht vollständig. In diesem Laden wurden größtenteils gebrauchte Waren verkauft, somit konnte man dort den einen oder anderen Schatz finden. Und wie es in einem Laden wo es Mangas gibt üblich ist, findet man dort auch ein Ü18 Abteil. Zu diesem kann ich nur eins sagen: Die Japaner sind crazy! (Sagen auch die meisten Japaner). Als wir uns nach einer Weile satt gesehen haben und den einen oder anderen Schatz ergattert haben, ging es weiter mit der Reise durch Hachinohe.


Ein paar Seitenstraßen später war auch schon der Onsen in Sichtweite und wir haben überlegt, ob wir diesen nun betreten. Nun stand unsere Gruppe da, mit halb durchnässter Kleidung und hat dennoch die nicht ganz leichte Entscheidung getroffen, sich das heiße Bad erst am Ende das kalten und regnerischen Tages zu gönnen. Man muss sich das ja auch erstmal verdienen.

Unser Ziel war es, einen Schrein auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt zu besuchen.
Und wie es in diesem Urlaub so oft passiert ist, haben wir uns wiedermal ablenken lassen.
Mitten in Hachinohe gab es einen Hügel mit einem Turm darauf.
„Das ist ein guter Spot zum Fotografieren!“, waren die Worte von Kevin. Also nahmen wir unsere Beine in die Hand und haben diesen erklommen. Auf dem Weg hinauf sind uns mehrere Schilder aufgefallen, welche auf einen Sammelpunkt im Falle eines Tsunamis hinwiesen. Und wie es der Zufall wollte, verwiesen diese auch zu unserem neuen Ziel. Am Turm angekommen, haben wir festgestellt, dass direkt nebenan ein Bunker für die Evakuierung im Falle eines Tsunamis stand. Ergibt auch Sinn, dass auf einem Hügel zu platzieren.
Da unsereins nun auf dem Gipfel des Hügels stand, wollten wir natürlich auch auf den Turm.
Mit großer Enttäuschung mussten wir feststellen, dass Montag der einzige Tag war, an dem dieser geschlossen ist. Ich frage mich auch, ob Tsunamis am Montag Ruhetag haben.
Aus Trotz musste sich unsere Gruppe erstmal setzen und eine Pause machen. Da wir allerdings effizienzgetriebene Deutsche sind, hat es nicht lang gedauert, dass es an die Planung der nächsten Tage ging. Uns war klar: am nächsten Tag geht es früh raus, damit wir die lange Reise nach Sapporo so schnell wie möglich hinter uns haben.

Frisch und ausgeruht, haben wir unsere Tour zum Tempel weitergeführt. Als wir langsam in die Nähe kamen, haben wir festgestellt, dass dort sehr viele Möwen unterwegs sind. Seeehr viele Möwen. „Ist hier die jährliche Möwenkonferenz!“, haben wir uns gedacht. Die Regenschirme, welche wir vor wenigen Minuten erst verstaut hatten, wurden direkt wieder ausgepackt. Wir wollten schließlich nicht voller Vogelkacke sein. Die Tempelanlage war sehr interessant. Sie trägt den Namen „Kabushima Schrein“. Hier ist die Möwe das heilige Tier und sie konnten überall nisten, wo sie wollten. Teilweise hatten diese ihre Nester mitten auf dem Weg gebaut. Der Legende nach wurde der Schrein im Jahre 1269 von lokalen Fischern errichtet. Der Schrein brannte am 5. November 2015 vollständig nieder, wurde aber mit einem Kostenaufwand von 5 Milliarden Yen (33.515.000€) wiederaufgebaut und erweitert.

Als wir uns an diesem besonderen Tempel satt gesehen haben, entschieden wir uns den Onsen erneut aufzusuchen. Nachdem wir die ersten Meter zurückgelegt hatten, kam Einsatz von Volker, welchen wir die letzten Tage schon oft gehört haben: „Leute… Ich muss ein Ei legen!“.
„Na gut.“, dachten wir uns und haben das nächste Lokal aufgesucht. Trotz dass die nächste Bahn schon in 45 Minuten kam, sind wir in dem Lokal eingekehrt und haben uns ein warmes Getränk gegönnt.
Die Atmosphäre war rustikal, gemütlich. Als ob man den ganzen Tag auf hoher See war und nun zur Ruhe kommen kann. Und falls man etwas auf hoher See verloren hat, konnte man es in diesem Lokal nach kaufen. Denn dort gab es auch ein üppiges Sortiment an Arbeitskleidung für die Arbeit auf einem Boot.

Als wir es tatsächlich geschafft haben, die nächste Bahn pünktlich zu erreichen, ging es direkt weiter zum Onsen. Im Onsen, mussten wir nach japanischer Tradition, unsere Schuhe am Eingang ausziehen. Und ich muss sagen, dass ich mir so einen Onsen anders vorstellt habe. Bevor es in die heißen Bäder ging, gab es eine Art Erholungszentrum. Hier war ein Restaurant, einen Massagesalon, einen Friseur und sogar einen Bereich mit Arcade-Automaten zu finden! Leider mussten wir wieder feststellen, dass uns dort kaum jemand verstanden hat und wenn jemand Englisch konnte, dann waren es nur ein paar brüchige Worte…
Ein Hoch auf Google, deepL und co., dass wir mit der Hilfe von den Übersetzungsprogrammen trotzdem zu unserem Ziel kamen. Das Ticket für die heißen Bäder musste man mit der Hilfe eines Automaten erwerben. Anschließend ging es in die Umkleide und wir machten uns für das Bad bereit. Zuerst musste man sich gründlich waschen, damit man das Wasser auch nicht dreckig macht. Danach ging es weiter in den Badebereich. Hier gab es mehrere Becken:

  • Becken mit verschieden hohen Temperaturen
  • zwei Becken mit Massagedüsen
  • ein Becken, in welchen man leichte Stromschläge bekommt, um die Muskulatur zu lockern
  • ein Becken mit kaltem Wasser
  • ein Außenbecken, welches mit Natursteinen geschmückt war

Des Weiteren gab es eine Sauna.

Allerdings schien das Lüften für die Onsen-Betreiber ein Fremdwort zu sein. Die Decken und Wände waren voller Schimmel, also nicht gerade einladend. Wir sind dann in das Außenbecken geflüchtet. Das hat unsere Gruppe auch am meisten gefallen. Es hatte den Anschein, dass Japaner es lieben TV zu schauen, denn sie hatten im Außenbereich ein Fernsehen installiert. Auch in der Sauna war ein Fernseher aufzufinden.
Kevin musste den Onsen allerdings frühzeitig verlassen, da er wegen der hohen Temperatur des Wassers Nasenbluten bekommen hat. Alles in allem war es wohl nur ein McDonalds unter den Onsen. Weder besonders noch einladend. Ich denke mal, wir haben direkt mal ein gutes Beispiel dafür bekommen, wie ein schlechtes Onsen aussieht. Wir werden jedenfalls noch weitere testen!
Jetzt ging wieder zurück zum Hotel. Mehr als ein Abendessen im Ramen-Restaurant ist auch nicht passiert.

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