Autor: Kevin
Zeit, so sagt man, vergeht im Urlaub langsamer. Leider war das heute nicht der Fall. Nachdem wir uns mit der Abfahrtzeit des Zuges vertan hatten, hieß es Rennen! Kein sehnsüchtiger Rückblick. Nichts, einfach rennen. Wir haben es mit krampfenden Füßen gerade noch rechtzeitig in die, mit Schülern gefüllte Bahn, geschafft. Die zwanzig Kilo auf dem Rücken haben die ganze Sache nicht angenehmer gemacht. Vielleicht sollten wir unsere Motivation das nächste Mal Zuhause lassen, dann kommen wir zumindest nicht auf die Ideen, wie die erste Bahn um 6 zu nehmen. Bei dem Puls, den wir am Bahnhof hatten, brauchte es zumindest kein Kaffee mehr. Apropos Kaffee. Hier ist es ein voll großes Ding, seinen Kaffee einfach kalt zu trinken. Im Café gibt es immer die Auswahl zwischen heißem oder kalten Kaffee mit Eiswürfeln. Im Supermarkt kann man sich auch einfach kalten Kaffee in der Flasche kaufen. Für die richtigen Morgenmuffel auch in der praktischen 2-Liter-Flasche.


Ihr fragt euch jetzt sicherlich, wo es denn so früh hinging. Der Plan war es, das japanische „Festland“ zu verlassen und nach Hokkaido zu fahren. Viele kennen den Namen Hokkaido wahrscheinlich nur unter einer Kürbissorte. Im 16. Jahrhundert brachten die Spanier den Kürbis nach Japan. Über die Jahre wurden verschieden Sorten gezüchtet und 1933 entstand dann die finale Frucht, wie wir sie heute kennen. „Uchiki kuri“ (Hokkaidokürbis) ist der eigentliche Name.
Da der erste nach Deutschland importierte Samen von Hokkaidō stammte, verkaufte der in Stuttgart lebende japanische Lebensmittelhändler Hiroshi Kozaki (古嵜寛志) den Kürbis unter dem Namen Hokkaidokürbis.
Die Insel ist wohl einer der unberührtesten Regionen in Japan. Es gibt hier lediglich die riesige Stadt Sapporo und der Rest setzt sich aus eher kleineren Orten zusammen. Im Vergleich zu 335 Einwohner pro km² in Japan hat Hokkaido lediglich 67 Einwohner pro km². Der größte Teil der Insel besteht aus Berge, Wäldern und Nationalparks. Im Winter ist das hier eine Hochburg für den Wintersport.
Die Anfahrt ist im Gegensatz zum Rest von Japan relativ träge, da die Insel noch nicht so gut erschlossen ist. Der Shinkansen fährt nur bis an die Küste von Hokkaido. Ab Hakodate ging es dann weiter mit der Bummelbahn. Man kann es mit einer Regionalbahn oder einem IC vergleichen.
Bevor wir jedoch nach Sapporo fuhren, machten wir halt am Rande eines Nationalparks. Der Ort hieß „Noboribetsu“. Man merkte direkt, dass es ein Ort für Touristen ist, aber da wir eher in der Nebensaison unterwegs sind, war es echt schon eher einer Geisterstadt ähnlich. Wir machten in einem kleinen Restaurant halt, um nochmal vor unserer Wanderung zu stärken. Es gab ganz simpel Curry mit Reis.


Mit dem Bus ging es dann Richtung Jigokudani oder wie es von den Einheimischen auch ganz liebevoll genannt wird „Höllen Tal“. Vielleicht ist es ja auch das war wir letztendlich verdient haben. Im Fegefeuer verbrennen für all unsere Sünden. Für Untaten wie zum Beispiel das Bier nicht austrinken. Es gibt hier sicherlich auch das perfekte Plätzchen für all die, welche das Nutellabrot mit Butter essen. Japan ist ein sehr vulkan- u. geothermisch aktives Land. Die Insel befindet sich am Rande des pazifischen Feuerrings und dadurch sind hier Erdbeben und andere Naturereignisse völliger Alltag. Und so ist es auch hier im Nationalpark. Als wir aus dem Bus ausstiegen, war das Erste, was uns begrüßte, der unangenehme Geruch von Schwefel. Links und rechts türmte sich ein Hotel nach dem anderen auf. Durch die natürlichen, heißen Quellen vor Ort, kann man hier ideal seinen Wellnessurlaub genießen. Im Minutentakt kamen hier auch Reisebusse, gefüllt mit Japanern an.
Wir liefen von der Bushaltestelle zum Eingang des Nationalparks. Links und rechts standen große Skulpturen von Ogern, die hier wohl heimisch waren. Dieser Region ist schon seit Jahrhunderten ein mystischer Ort und dadurch finden man hier auch wieder viele Tempel und Schreine. Die Wanderwege durch den Park waren beeindruckend. Überall dampfte und blubberte es. Neben den Pfaden durch den Wald, gab es auch einen riesigen Steinbruch, in welchem früher der Schwefel abgebaut wurde. Mittlerweile steht hier aber alles unter Naturschutz.








Auf der anderen Seite des Berges befand sich der Oyunuma-See. Die grau, trübe Oberfläche machte den See wahrscheinlich unbewohnbar für sämtliche Lebensformen. Heißes, dampfendes Wasser floss vom Berg hinein. Unser Weg führte uns weiter den Berg hinunter. Am Wegesrand gab es einen Bachlauf, welcher aus dem Oyunuma-See kam.
Noch wenige Minuten zuvor dachten wir, das Wasser wäre ungenießbar und ein paar Fußminuten weiter lud eine seichte Stelle zum Fußbad ein. Eher skeptisch steckten wir unserer Füße in das Wasser und was soll ich sagen, es war angenehm warm und diese entspannte Pause tat uns verdammt gut.
Auf dem Rückweg zum Bahnhof gab es noch ein Eis für uns. Der kurze Abstecher in den Nationalpark hat sich auf jeden Fall total gelohnt.







Die Fahrt nach Sapporo war eher weniger spektakulär. Es war schon dunkel und relativ spät als wir ankamen. Es ging für uns, nach dem Check-in im Hotel, erstmal in ein Restaurant. Den Abend ließen wir in einer Arcade-Halle ausklingen, in der wer viele verschiedene Games ausprobierten.


Oma Mai 24, 2023
Super.👍👍👍
Paula Mai 25, 2023
Ich mag ja mein Nutellabrot mit Butter ganz gerne. Lol 🌚😂
Sehr spannende Ziele bisher : )