Autor: Volker
Der dritte Tag stand ein. Unsere Beine waren so fit wie nie und bereit, die nächsten Kilometer zu bezwingen. Unsere Gruppe entschied sich zum Asakusaschrein zu laufen. Auf der vier Kilometer langen Strecke konnten wir zahlreichen buddhistischen Tempel erkunden. Der Asakusaschrein wurde im Jahr 1649 von Tokugawa Iemitsu errichtet und ist ein beliebtes Reiseziel für Touristen und Einheimische. Doch die Geschichte des Ortes reicht noch viel weiter in die Vergangenheit. Eine Legende besagt, dass der Ort zu einer heiligen Stätte geworden ist, nachdem zwei Fischer eine Statue am Flussufer aus einem Fluss gezogen hatten. Nachdem sie die Figur wieder im Fluss versanken wurde sie wieder an dieselbe Stelle gespült, dies wiederholten die beiden Fischer einigem Male bis der Dorfvorsteher davon windbekam und mithilfe der beiden Fischer einen Schrein für die Skulptur errichtete. Dies geschah bereits im Jahr 628 und ist mittlerweile eine bekannte Legende. In der Tempelanlage selbst wurde allerhand Streetfood verkauft und selbstverständlich schnabulierten auch wir ein wenig. Für mich gab es „Taku-yaki“ Oktopus-Bälle, an welchen ich mir erst einmal die Zunge verbrannte. Ich konnte erst wieder den Letzten der sechs Bälle schmecken. Wir haben diese gefüllten Teigkugeln sehr gefallen. „Oishii!“. Anschließend bewegten wir uns Richtung „Sumida“ einem Fluss der durch Tokio fließt. Von dort aus wollten wir die Fähre Richtung „Odaiba“ nehmen, einem Park am Hafen. Die Fährfahrt wurde uns zuvor von einer Bekanntschaft aus London empfohlen. Ihr Name ist „Die“ und wir haben sie letztes Jahr in London kennengelernt. Ich verweise einfach mal auf den Beitrag aus dem letzten Jahr. (Link)




Am späteren Abend hatten wir sogar noch eine Verabredung mit Die in Shinjuku. Am Fluss angekommen bemerkten wir schnell, dass kein Platz mehr auf der Fähre war und wir so diesen Plan auf einen anderen Tag verschieben mussten. Schade. Leicht geknickt bemerkten wir, dass in der Nähe ein riesiges Gebäude, welches aussah wie ein Bierglas, am Ufer des Flusses stand. Es handelt sich dabei um den Hauptsitz von Asahi, einem großen Bierproduzenten. Asahi ist der siebtgrößte Bierproduzent der Welt und produziert 49 Millionen Hektoliter im Jahr. Beeindruckend, selbst wir vier könnten nicht alleine so viel Bier vernichten. Das goldene etwas soll eine Flamme darstellen. Unter den Einwohnern hat es aber den Spitznamen „Poo Building“.


Nachdem wir uns ergiebig über das regionale Bier erkundigt hatten, reisten wir so langsam nach Shinjuku. Hierfür nutzten wir zum ersten Mal an diesem Tag die Bahn. Zuverlässig, wie ein Schweizer Uhrwerk, reisten wir in guter alter Manier nach Shinjuku, dort realisierten wir wieder einmal, was für eine gut durchorganisierte Stadt Tokyo doch ist. Während wir so durch die Straße, mit Menschen gefüllten Straßen, stapften, bemerkten wir, dass wir so nicht vorankamen. Wir entschieden uns auf die Seitengassen auszuweichen, was sich als wahrer Erfolg herausstellte, denn nur nach wenigen Schritten liefen wir an einer Vorschauhaus-Anlage vorbei.
In dieser fanden wohl gerade eine Verkaufsaktion statt. Passanten von überall konnten dort Modellwohnungen und Häuser besichtigen. Es war eine komplette Straße mit mindestens zehn Gebäuden. Schnell entschlossen auch wir uns hineinzugehen und uns die Häuser anzuschauen. Die Mitarbeiter und Besucher schauten uns mit zum Teil verblüffte Augen an und alle waren extrem nett. Wir entschieden uns, in ein Haus hineinzugehen. Die Frau, die uns zuvor mit freundlichen Augen begrüßte, war sichtlich nervös, trotz anfänglicher Schwierigkeiten half sie uns sehr und begleitete uns ins Haus, im Haus selbst desinfizieren wir unsere Hände und schlüpften in ein paar Pantoffeln. Diese lagen für alle Gäste aus und waren nicht für große Füße gemacht. In Japan gehört es zum guten Ton, seine Straßenschuhe in einem etwas herabgesetzte Bereich („Genkan“) hinter der Eingangstür gegen Hausschuhe auszutauschen. Im Wohnbereich angekommen, wurden wir schon direkt vom Makler angesprochen. Nach kurzen Kommunikationsproblemen reichte er uns eine Produktbeschreibung und führte uns durch die Wohnung. Die Wohnung selbst war schlicht und elegant eingerichtet, verfügte über ausreichend hohe Decken und genug Platz zum Leben, zuerst war das Hauptschlafzimmer dran. Dann das Bad und anschließend das erste Stockwerk. Eine große Wohnküche mit genug Stauraum und einer Kücheninsel. Alles war recht luxuriös eingerichtet und wirkte dennoch schlicht. Nachdem wir also eine regelrechte Inspektion dieses Stockwerkes durchgeführt haben, führte uns der Makler noch zur Terrasse und zum möglichen Kinderzimmer im obersten Stockwerk. Dort könnten wir ebenfalls die Erdbebensicherung des Gebäudes sehen, welche nicht versteckt, sondern direkt ersichtlich hinter einer Glasscheibe hervorschien. Wir unterhielten uns im allgemeinen recht gut mit dem Jungen man, der recht viel Spaß mit uns zu scheinen hatte. Zum Schluss erkundigten wir uns noch, wie kostenintensive unser inspiziertes Objekt wohl sei und wahren sichtlich erstaunt, 90.000.000¥ ≈ 600.000€ erschwinglich. Selbstverständlich luden wir den Mann auch einmal zu uns nach Deutschland ein, damit er sich dort auch einmal die Häuser anschauen kann, lachend verabschiedete er uns.



Was nun, wir hatten noch Zeit und aktuell nichts zu tun, nach einiger Zeit des Grübelns gingen wir letztlich zum Tokio Metropolitan Building, einem Gebäude von dem aus man kostenfrei über die ganze Stadt schauen kann. Leider waren wir nicht die einzigen, die davon gehört hatten. Die Schlange war verdammt lang und wir zu ungeduldig. Es wurde dann einfach der anliegende Park, der durch einen künstlichen Wasserfall überzeugte. So langsam wurde es Zeit uns Richtung Tokyu Kabukicho Tower zu begeben und mit Die zusammen den Abend ausklingen zu lassen. Ich hätte nie gedacht, dass sich jemand mit vier Personen treffen würde, die sie vor etwa einem Jahr für nicht einmal eine Stunde gesehen hat. Sehr sympathisch von ihr, uns ein wenig die Stadt zu zeigen!


An der richtigen Bahnstation angekommen, sind wir in Richtung Tokyu Kabukicho Tower gelaufen. Es kam mir so vor, dass in den Straßen kaum Touristen unterwegs waren. Wir waren hier wohl nicht in einem für Touristen also bekannten Viertel. Als wir uns dem Tokyu Kabukicho Tower näherten, begrüßte uns von rechts Godzilla, der in die Fassade eines der Hochhäuser eingearbeitet wurde. Das war schon beeindruckend. Wie immer waren wir etwas zu früh da und warteten so vor dem Tower auf einer Treppe und fragten uns, ob wir die Die überhaupt erkennen würden, oder sie uns. Wir sendeten ihr unseren Standort. Letztlich fanden wir uns problemlos. Jetzt konnte also der Abend starten. Und was für ein Abend das werden sollte. Im Tokyu Kabukicho Tower benötigten wir einige Zeit, bis wir einen Platz finden könnten. Der erste Stock war im Stil eines japanischen Festes eingerichtet, da der Tokyu Kabukicho Tower erst im April eröffnet wurde, war natürlich das öffentliche Auge stark auf diesen Tower gerichtet. Und wir als Europäer natürlich im Zentrum der Aufmerksamkeit. Nicht lange bis wir vom Channel 5 Kamerateam (Channel 5 ist einer der großen TV-Sender hier in Japan) aufgefasst wurden und ein Interview geben mussten. Geschockt von der ganzen Situation taten wir unser bestes, als Deutsche, unser Land zu vertreten. Hier und dort Leute, die Bilder von uns machten und jeder versuchte zu sehen, um wen es sich hier handelte. Jetzt weiß ich, wie sich Stars fühlen. Die Die tat mir ja schon leid, wie sie da so neben uns saß und vermutlich komplett am Verzweifeln war, was wir hier tun. Hoffentlich hat sie nicht für uns auf der Arbeit blau gemacht. Anschließend wurden wir noch vom Tokyo Channel 5 zum Bier eingeladen, wurden gebeten das deutsche äquivalent eines „Kampai“ zu demonstrieren, bei einem Kampai versucht man steht’s unter das Glas des Gegenübers anzustoßen, um seinen Respekt vor ihm zu demonstrieren, in Deutschland sieht das anders aus. Mit viel Kraft und einer Menge Schwung, sodass fast das halbe Bier sich auf dem Tisch verteilt, stoßten wir unsere Gläser zusammen und riefen so laut wie nur geht „Prost.“ Totenstille, von links und rechts Blicke während wir unser Bier zum Trinken ansetzten, „sugoii (unglaublich)“ „kakkoii (cool)“. Was für ein erfolgreiches Einleiten des Abends würde ich sagen. Wir saßen noch eine ganze Zeit zusammen, unterhielten uns und berichteten, was wir so in der Zwischenzeit alles erlebt haben. Sie erzählt uns, dass sie insgesamt fünf Monate in London bzw. in Europa war und es ihr sehr viel Spaß gemacht hatte. Wir erzählten von unseren Abenteuern im letzten Urlaub und was wir jetzt alles schon in Tokyo erlebt haben. Fasziniert lauschte sie unseren Geschichten. Wie es der Zufall so wollte, war auch sie am heutigen Tag auf der Suche nach einer neuen Wohnung gewesen. Der nächste Schock war also vorprogrammiert. Lachend überreichten wir ihr unsere gesammelten Werbematerialien und erzählten, dass wir uns durch Zufall heute auch ein Haus in Japan anschauten. Manchmal frage ich mich, ob andere Menschen auch solche Dinge im Urlaub machen oder ob wir einfach nur eine sehr spezielle Gruppe sind.




Anschließend gingen wir zusammen zur Shinjuku Golden Ail, einem Barviertel der besonderen Art, überall kleine Bars in denen vielleicht 4- 10 Personen Platz fanden. Wir schlenderten so durch die Gassen der Golden Ail und unterliegen uns währenddessen über das Nachleben in dieser Zone, hier war es üblich, wenn man eine Partnerin während des Abends fand diese in ein ortsansässiges Hotel mitzunehmen und dort mit ihr die Nacht zu verbringen. Was auch Sinn ergibt, immerhin fährt die Bahn in Tokyo nicht die Nacht durch. An einem Eckhaus in einer der Seitenstraße fanden wir nun endlich die „Champion Bar“, welche Platz für uns hatte und in der die Preise recht erschwinglich waren, fünf Bier für 2000¥ ≈ 13,50€ „sugoii“. Eine Karaoke-Bar, die sich schnell mit vielen Menschen füllte. Hier und dort wurden wir zu Getränken eingeladen und hin und wieder luden auch wir jemanden zu einem Getränk ein. Die Stimmung war unglaublich gut und trotz der Verständigungsprobleme sprachen wir doch zum Schluss dieselbe Sprache. Singen stellte sich als kleines Problem heraus, das wir mit Hilfe Die’s lösen konnten. Neben japanischen Bürgern trafen wir Australier, Amerikaner und allerhand andere Nationalitäten, doch niemand schien ein solcher Blickfang zu sein, wie wir vier Deutschen. Vielleicht lag es daran, dass wir so viel gesoffen haben oder dass sich bereits herumgesprochen hatte, dass wir japanische TV-Stars waren. Als die Stunden so ins Land zogen und wir immer und immer voller wurden, erreichten wir letztlich den Punkt die Nacht enden zu lassen und brachten unsere Begleitung noch zur Bahn, bevor wir uns auf den Heimweg begaben. Wir bedanken uns noch herzlich und boten ihr an, falls sie je nach Deutschland käme, so einen Abend zu wiederholen. Ob das je geschehen wird, steht noch in den Sternen. Mit Restblut im Alkohol steuerten auch wir unser Hotel an. In der Bahn kamen wir noch ins Gespräch mit einem netten Australier. Die Reststrecke von der Bahnhaltestelle lagen wir im Naruto-Run zurück, kassierten einige schockierte Blicke. Im Hotel angekommen, legten wir unseren Ballast ab und gingen zu zweit noch einmal in die Bar unseres Vertrauens. Dort trafen wir noch ein Taiwanisches Pärchen, mit denen wir uns ein wenig unterhielten. Wir luden sie noch auf einen Underberg ein und gingen endlich auch heim. Wenn das so weitergeht, kennt uns bald die halbe Welt.



Hier noch ein paar Bilder vom Tag:














Oma Mai 11, 2023
Na das ist doch ein super urlaub.was ihr erlebt habe ich in meinem ganzen leben nicht erlebt.weier so.🌞🌞🌞