Autor: Volker
Auch am zweiten Tag hatte überraschenderweise keiner von uns Gliederschmerzen. Unser Tag begann mit dem ersten auswärtigen Frühstück. Beim Schlendern durch die Straßen fanden wir nach einiger Zeit letztlich eine kleine Bäckerei, in der wir regionale Backkunst verköstigen konnten. So dachten wir zumindest… „Bähhh“, schrie Matze. Der mit weit aufgerissenen Augen und einem Entsetzen im Gesicht realisierte, was er sich da gekauft hatte. Fisch in Teig eingewickelt, das war ja wohl ein Schuss in den Ofen. Abgesehen davon schmeckte der Rest hervorragend.


Unser erstes Ziel war der Kaiserpalast, zudem wir mithilfe der Bahn gekommen sind. Was die öffentliche Infrastruktur angeht, kann sich Deutschland mal eine Scheibe von abschneiden. Die Züge/Trams/Busse sind steht’s pünktlich und perfekt getaktet, man kann seine Uhr nach ihnen richten. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Bahn erreichten wir unsere erste Sehenswürdigkeit. Ein beeindruckendes Bild erwartete uns, eine Gartenanlage aus Japanischen Schwarzkiefern, indessen Mitte der Kaiserpalast stand. „Der Kaiserpalast Tokio (japanisch 皇居, Kōkyo, wörtl. „Kaiserliche Residenz“) ist die Residenz des Tennō, des japanischen Kaisers. Die kaiserliche Residenz liegt auf dem ehemaligen Gelände der Burg Edo im heutigen Stadtteil Chiyoda des gleichnamigen Bezirks im Zentrum von Tokio.“ (Link)



Ich hätte nie gedacht, dass es möglich ist, in einer öffentlichen zugänglichen Anlage mit so vielen Menschen Ruhe und Ordnung einkehren zu lassen, ohne dass dies durch Personal oder Polizei durchgesetzt wird. Es lag nicht ein bisschen Müll auf dem Boden, trotz dass nirgendwo Mülleimer zu finden waren. So langsam wurde mir bewusst, was ich im Deutschland gar nicht vermisse. Nachdem wir einige Eindrücke vom Kaiserpalast sammeln konnten, war es Zeit sich auf die Suche nach Wasser oder etwas Trinkbarem zu machen.


Zu Fuß entfernten wir uns vom Palast. So gelangten wir in ein Business-Viertel. Hochhäuser, Leute in Anzügen, welche viel zu beschäftigt waren, um uns überhaupt wahrzunehmen. Leider mussten wir feststellen, dass unser mobiler WLAN-Router keinen Strom mehr hatte und wir das passende Kabel im Hotel vergessen hatten. So war es Zeit, uns unserem Schicksal hinzugeben und die Welt wie unsere Vorfahren zu erleben. Nach etwas Zeit fanden wir nun einen Laden für Lebensmittel. Und entdeckten, dass große Teile Tokyos untertunnelt sind. Eine Stadt unter der Stadt könnte man so sagen. Frisch gestärkt gingen wir zum Kaiserpalast zurück. Wir entschieden uns ihn zu umlaufen, um zu sehen, ob es möglich ist, ihn zu betreten… Vergebens.
Orientierungslos begaben wir uns in einen nahegelegenen Park, um auszugrübeln, wie wir jetzt weiter vorgehen. Wie durch Zauberhand fanden wir zufällig eine Büroklammer gerade klein genug, um den Datenchip vom Router ins Handy umzulagern. Diese Stadt kann einen einfach nicht enttäuschen. Während wir so die erste Pause einlegten, lösten wir unsere Technikprobleme. Anschließend war es Zeit, uns der japanischen Kultur zu widmen, Akihabara. Zum Transport nutzten wir wie schon so oft die Bahn. Matze, welcher im Alleingang, die sonst von Jasmin verkörperte Rolle der Navigation übernahm, brachte uns auf direktem Wege nach Akihabara.
Bei Akihabara handelt es sich um Japans „Elektrostadt“. Es ist ein kompletter Stadtteil mit Elektronik- u. Technikgeschäften, der Otaku-Kultur, Animes und unkonventionellen Cafés. Es ist der Ort für jeden Fan und Nerd. Von winzigen Läden bis zu riesigen Kaufhäusern gefüllt mit Handys, Kameras, Mangas, Arcade-Automaten, Figuren, Videogames, Greifarm-Automaten, Cosplay und so viel mehr.




Dort angekommen, erwartete uns eine komplett andere Seite Tokyos. Bunte Lichter, Arcade-Automaten und jede Menge Menschen, hier und dort wurden wir von jungen japanischen „Maids“ angesprochen, welche für ihre Cafés Werbung betrieben. Im Allgemeinen schien diese Art des Geschäftes in Japan nicht unbeliebt zu sein. Mitten auf der Hauptstraße befand sich auch ein mehrstöckiger Sex Shop, wie gute Touristen gingen wir selbstverständlich daran vorbei. Nur wenige Schritte daneben fanden wir eine riesige Spielhalle, wo jeder Menge Arcade-Automaten standen, neben Gundam und allerhand Rhythmusspielen gab es auch eine Racing Game, für das sich Kevin sehr zu interessieren schien, so dauerte es nicht lange, dass er sich in einem nervenaufreibenden Beschleunigungsrennen gegen drei weitere lokale Spieler wiederfand. Trotz das es sich nur um ein kurzes Spiel handelte, verneigten sich die Spieler im Nachhinein und bedankten sich für das Spiel. ありがとう、どういたしまして „Arigatō, dōitashimashite“ Was für ein höfliches Volk.



Nachdem Kevin uns den zweiten Platz sichern konnte, begaben wir uns zum Abendessen in ein Maidcafé. Der Aufenthalt dort war verwirrend und zeigte uns eine völlig neue Seite Japans. Die Maids, die gerade alt genug waren, um zu arbeiten, taten ihr Bestes, um unseren Aufenthalt in ihrem Café ‚Maiddream‘ so aufregend wie möglich zu gestalten. Für alle die gerade keine Vorstellung habe, hier mal ein paar kurze Worte zu Maidcafé: Es handelt sich dabei um themenbezogenen Cafés in den man von Dienstmädchen bedient wird. Sie führen Gespräche mit einem, singen, tanzen und geben sich besonders viel Mühe, dass es dem Gast gut geht. Am Ende kann man noch ein Polaroid mit seiner Lieblingsmaid machen.
Es war faszinierend, welche Art von Menschen in diese Lokalitäten gehen. Neben einigen Europäern und Touristen befanden sich unter den Gästen auch gut gekleidete Arbeiter. Was mir direkt aufgefallen ist, ist das Japaner grundsätzlich alleine unterwegs sind. Was sich richtig gut beobachten ließ, als wir durch Zufall mitbekamen, dass eine Frau, welche nicht weit von uns weg saß, ihren Geburtstag dort alleine verbrachte. Uns ist schon in einigen Situationen aufgefallen, dass die Japaner eher allein ihren Alltag verbringen. In Restaurant gibt es auch oftmals viele Einzelplätze. Vielleicht ist das ein Phänomen aus der Großstadt. Wir werden auf jeden Fall schauen, ob sich die These im Laufe unserer Reise bestätigt. Nachdem wir noch einige Geschenke erhalten hatten, war unsere Zeit gekommen zu gehen. Alles in allem war das eine Erfahrung wert.



Nach einem kurzen Verdauungsspaziergang Richtung Hotel und einer kurzen Rast entschieden wir uns noch einmal in eine Bar Vorort zu gehen. Den richtigen Ort zu finden viel allerdings nicht leicht, bei einigen wurden wir abgewiesen und bei anderen war kein Platz. Nach einer kurzen Suche fanden wir einen geeigneten Ort. Dort trank ich meinen ersten Highball und ein Glas Wein. Highball ist für junge Japaner wie das Bier für die Deutschen. Ein mit Sprudelwasser verdünnter Whiskey.
Hier noch paar Bilder mehr:











Oma Mai 9, 2023
Tolle Aachen die ihr erlebt.da wollt ihr doch gar nicht mehr heimkommen.🤗🤗🤗