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Tag 8 – Mit Bob Marley über den Ärmelkanal

Die Zeit in London verging wie im Flug. Die drei Tage waren voller Ereignisse. Wir haben viel erlebt und unternommen und ich denke, wir konnten unsere Zeit gut nutzen. Aber alle Dinge müssen mal ein Ende haben. Ich sehe die Sache aber mit einem weinenden Auge und einem lachenden Auge. London liegt hinter uns, aber das nächste Ziel soll Paris sein. Es ging früh raus. Beim letzten Frühstück im Hostel haben wir eine sehr nette Bekanntschaft mit einer Lehrerin aus den Niederlanden machen dürfen. Sie war zu Besuch in London und wir hatten in der kurzen Zeit so unendlich viel Spaß. Martha erzählte uns von ihren Schülern und stellte uns die Frage wie sie die aufgedrehte Meute bändigen kann und wir berichteten ihr von unserer aktuellen Chaostour. Wir haben sehr viel gelacht und kamen kaum zum Essen. Am Ende wollte sie sogar mit uns auf Reisen gehen. Die kurzen Gespräche mit fremden Menschen über Gott und die Welt sind so toll. Man tauscht sich kurz über verschiedene Dinge aus und genießt einfach das gemeinsame Gespräch. Leute mit einem „Wie geht’s dir?“ ansprechen und dann in eine Konversation zu verfallen ist einfach schön. Man bekommt so viele andere Eindrücke und Sichtweisen von Menschen, die irgendwo anders auf Erden leben bzw. aufgewachsen sind und man einfach weitere Perspektiven erfährt. Ich kann es euch nur empfehlen im Urlaub in einer Bar, im Zug oder Hotel einfach mit jemand ein Gespräch zu beginnen um zu schauen, wo es hinführt. Nun aber mal zurück zu unserer Reise. Es lagen ja heute noch einige Kilometer vor uns. Wie auf unserer Hinreise auf die Insel gab es wieder Probleme mit der Reservierung für den Zug. Die Lösung diesmal war es, mit dem Bus nach Paris zu fahren. Wusstet ihr das man bei BlaBlaCar auch Busreisen wie Flixbus buchen kann? Zuerst ging es mit der Tube zum Busbahnhof. Am Eingang haben wir noch fix unsere Postkarten in den Briefkasten gesteckt und dann ging es zu unserem Bus-Terminal.

Dann war erstmal Ernüchterung angesagt. In einer E-Mail haben wir erfahren, dass es zu erheblichen Verzögerung kommen kann, da die Grenzkontrollen wohl länger wie erwartet dauern und der Bus sich dadurch verspätet. Nach einem kurzen Gespräch mit ein paar Reisenden, die nach Amsterdam wollten, erfuhren wir, dass sie bereits über vier Stunden länger auf ihren Bus warten. Also hieß es erstmal Beine stillhalten und abwarten. Und das Warten hat sich gelohnt. Das Busunternehmen hat direkt einen Ersatzbus organisieren können und es ging für uns mit nur 30 Minuten Verzögerung Richtung Dover. Der Busfahrer wirkte zwar so, als wäre er vor einer Stunde mit einem Notruf vom Chef geweckt wurden, aber eine spontane Dienstfahrt nach Paris muss jeder mal über sich ergehen lassen.

Der Busfahrer wurde aber auch den restlichen Tag nicht verschont. Bereits nach wenigen Kilometern nach Abfahrt touchiert ein LKW unseren Bus in der Innenstadt. Das war auch der Moment wo unserer Busfahrer anfing den Tag zu hassen. Nach 20 Minuten aussichtsloser Diskussion ging es dann endlich weiter. Wie der Konflikt ausging, wissen wir nicht, aber offensichtlich konnten sie sich irgendwie einigen. Erste Maßnahme des Busfahrers war es danach Reggae, um genauer zu sein Bob Marley, laut auf allen Boxen laufen zu lassen, damit wir mit Ruhe und Vernunft die 50 Minuten Verspätung aufholen konnten. Er ist wild im Parkour zwischen den drei Fahrspuren gewechselt. Ich würde es Achterbahnfahrt nennen, andere vielleicht Leben am Limit. Aber da ich ja diesen Text schreibe, kamen wir erfolgreich in Dover an. Unsere Fähre wartete schon im Hafen. Nach der Passkontrolle ging es dann nach einer kurzen Pause direkt aufs Schiff. Was wir nicht wussten, dass im Preis direkt ein kostenloses Essen in der Schiffskantine inklusive war und dort sind wir auch direkt als Erstes hin. Nächstes Ziel war das Außendeck, wo wir noch ein paar Bilder von den berühmten weißen Klippen machen wollten. Es war traumhaft und viel zu schade, dass wir dort nur zur Durchfahrt waren. Die Küstenlinie reflektiert das warme Sonnenlicht und strahlt im leuchtenden weiß. Hier will ich unbedingt nochmal zurück.

Apropos zurück. War es der Besuch in London wert und würde ich nochmal dort hin wollen? Die Stadt ist riesig. Mit den knapp 11 Millionen Einwohnern und den hunderten Sehenswürdigkeiten ist es definitiv keine Stadt für wenige Tage. Wir haben das wichtigste abgegrast, aber die Stadt bietet so viel mehr. Die Menschen sind freundlich und die Stadt ruft nach Erkundung. Die Museen sind auf jeden Fall einen Besuch wert (umso mehr da viele kostenlos sind) und zwischen den Häuserschluchten findet man immer ein Pub, um ein Cider zu trinken. Die feine englische Art ist zwar nur ein Gerücht und einige Londoner haben sich zum Teil echt wie Schweine benommen, aber Maren meinte, das wäre hier wohl so üblich. Nach über eine Stunde auf dem Ärmelkanal legte unser Boot in Calais an.

Es wurde langsam finster und gegen 23:00 Uhr erreichten wir Paris. Mit der Metro ging es zur neuen Unterkunft. Es war das Hostel „St. Christopher’s Inn“. Es war eine Unterkunft für Backpacker, wo sich direkt eine Bar daneben befand. Also der perfekte Ort für uns. Und viel mehr ist dann abgesehen vom Zähneputzen auch nicht mehr passiert. Wir saßen zwar den ganzen Tag nur im Bus, aber wir waren trotzdem todmüde.

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