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Tag 1 – Groß, Größer, Tokio

Autor: Kevin

Der erste Tag steht an. Wir waren ausgeschlafen, die Stimmung war exzellent. Jeder war so ein bisschen aufgeregt. Endlich Tokio bei Tageslicht sehen und die ersten Eindrücke bekommen. Unser Hotel befindet sich im Stadtteil Nippori und das war auch unsere erste Anlaufstelle. Das Viertel ist einer der 23 Stadtteile und befindet sich im Osten von Tokio. Ich würde sagen, es ist eher klassisch gehalten. Keine riesigen Gebäude und Wolkenkratzer, sondern eher kleine Häuser, welche sich aneinander reihen. Dazwischen Straßen und viele Gassen. Am Morgen bauen die ganzen Ladenbesitzer ihre Stände vor ihren Laden auf und es wirkt wie ein kleiner Wochenmarkt. Es kommen aus verschiedenen Richtungen Gerüche vom frischen Essen und alle paar Meter wird man zum Streetfood eingeladen. Da wir leider noch kein Bargeld hatten, mussten wir das Schlemmen und Stöbern auf einen der nächsten Tage verschieben.

Der Weg zum Bahnhof dauerte ewig. Alle paar Meter neue Eindrücke und Dinge, welche man dem anderen zeigen wollte. Völlige Reizüberflutung. Man geht eine Straße weiter und schon erblickt man einen Tempel mit Garten, welchen man direkt man anschauen will. Es macht so viel Spaß. Keine Sekunde ist langweilig und jeder zusätzliche Schritt zahlt sich aus. Tempel und Schreine gibt es hier tatsächlich wie Sand am Meer. Zum Teil befinden sich auch gleich zwei, drei nebeneinander. Wichtig ist es vor dem Eintritt die Hände zu waschen (ein Waschbecken ist meistens direkt mit dort) und beim Durchschreiten des Torbogens zu verbeugen. Beim Herauszugehen dreht man sich zum Tempel / Schrein und verbeugt sich auch. Meistens ist auch ein kleiner Garten bzw. ein Friedhof direkt mit nebenan. Die Baukunst ist schon beeindruckend. Mir gefallen am meisten die geschwungenen Dächer. Kann man mit nichts bei uns vergleichen.

Der Stadtteil Shibuya war unser zweites Ziel für den Tag. Tokio hat ein sehr gut ausgebautes Schienennetz. Man kann sich durch die ganze Stadt mit der Metro oder der S-Bahn bewegen. Man kommt von der einen auf die andere Seite der Stadt in ca. 45 Minuten. Das Beste, was man als Tourist machen kann, ist sich eine IC-Karte zu holen. Es handelt sich dabei um eine Kreditkarte, welche man sich für 500¥ Pfand (150¥ = 1€) an jeder Bahnstation holen kann. Diese kann man dann mit Guthaben aufladen. Auch sehr cool ist, dass man die Karte erstens in ganz Japan für den Nahverkehr nutzen kann und zusätzlich ist es möglich in einigen Läden damit zu zahlen. Finde ich mega praktisch. Das Bahnfahren ist preislich voll in Ordnung. Man zahlt je nach Entfernung so 100-200¥. Aus vielen Filmen oder Dokus kennt man ja die vollgestopften Bahnen aus Tokio, aber wir konnten das nicht bestätigen. Finde da London oder Paris bei weitem schlimmer. Kann aber auch durchaus sein, dass man im richtigen Stadtteil zur Rushhour sein muss, um das Feeling zu bekommen.

Shibuya ist ein Trend- u. Shoppingviertel mit vielen großen bis riesigen Gebäuden. Leuchtreklame so weit das Auge reicht. Die Fußgängerzonen sind gewaltig und die gefüllten Kreuzungen nicht vergleichbar. Wenn die Lichter der Fußgängerampeln grün werden und gefühlt erstmal ein halbes Fußballstadion die Seite wechselt. Ich denke für die meisten ist es das Bild im Kopf, wenn sie so an Tokio denken. Neben dem Großstadtdschungel gibt es aber auch noch Parks und Gärten, welche so den Gegensatz bilden.

Bevor wir uns unter die Menschenmassen getummelt haben, sind wir in den Yoyogi-Park. Ein Wald mitten in der Stadt. Wäre nicht der dezente Stadtlärm im Hintergrund gewesen, hätte man wirklich denken können, man ist hier irgendwo im Nirgendwo. Aber wer jetzt denkt, Tokio ist eine laute Stadt, liegt falsch. Der Straßenlärm hält sich in Grenzen. Da jeder Autofahrer ein Parkplatz in Tokio besitzen muss, um ein Auto zu haben, ist das Straßenbild meistens auf Taxis und Lieferverkehr begrenzt. Man sieht immer wieder paar Autos, das sind aber welche von außerhalb oder Leute, die glücklicherweise einen Parkplatz haben. Es ist ziemlich absurd, aber ab 20 Uhr kannst du in manchen Stadtteilen einfach auf der Straße laufen, weil sowieso keine Autos fahren.

Im Park befindet sich der Meiji-Schrein. Er wurde 1920 errichtet, um an die Tugendenden des Kaiser Meiji und der Kaiserin Shoken zu erinnern. Der Tempel wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und anschließend wieder errichtet. Ein älterer Herr hat uns im Garten ein wenig herumgeführt und mit seinen wenigen Worten Englisch ein bisschen was zu den Pflanzen erklärt. Er war vor vierzig Jahren auch schon in Deutschland. Eine sehr nette Begegnung.

Auf unseren Weg zurück in Stadt haben wir noch eine sehr coole Entdeckung gemacht. Prinzipiell versuchen wir in Nebengassen zu laufen, da dort immer eine Überraschung auf einen wartet. Und so war es auch in diesem Fall. Ein kleiner, unscheinbarer Laden. Eine Samurai-Rüstung stand im Schaufenster. Wir fanden es interessant und sind rein. Drinnen war der Laden gefüllt mit Samurai-Schwertern. Das Geschäft hatte auch eher Museumscharakter. Ein netter Herr hat uns direkt abgefangen und wir mussten Kamera und Taschen abgeben. Wie sich herausstellte, war es ein international berühmter Laden für Schwertliebhaber. Man konnte dort Klingen zwischen 5000€ u. 600.000€ kaufen. Das jüngste Schwert dort hatte schon über 200 Jahre auf dem Buckel. In einigen Klingen war die Anzahl, der durch teilten Körper eingeritzt. Ein scharfes Schwert und ein gekonnter Hieb kann bis zu sieben Körper (Hüfthöhe) mit einem Schwung durchschneiden. Der Verkäufer nahm sich gute 30 Minuten für uns Zeit, um uns eine kleine Tour mit vielen Informationen zu geben.

Von Tradition und Ruhe sind wir direkt wieder zum Gegenpol. Die wohl bekannteste Kreuzung der Welt „Die Alle-Gehen-Kreuzung“ in Shibuya. Links, rechts, diagonal, rückwärts, aber Hauptsache alle laufen darüber. Es waren echt viele Menschen dort und man hat kaum erkannt, dass dort eine Kreuzung ist, wenn die Fußgängerampeln grün zeigten. Sehr interessant, das alles zu beobachten, aber letztendlich ist es halt nur eine Kreuzung.

Nach dem Mittagessen (es gab Omuraisu, ein japanisches Reisomelett) ging es dann Richtung „Nationalpark für Naturstudien“. Wir machten einen relativ großen Umweg durch ein paar Wohnviertel. Als wir ankamen, war der Park leider schon geschlossen.

Letzter Haltepunkt war der Tokio-Tower bei Nacht. „Der Tower (jap. 東京タワー, Tōkyō Tawā) ist ein 1958 nach dem Vorbild des Eiffelturms in Stahlfachwerkbauweise erbauter Fernsehturm im Shiba-Park im Stadtbezirk Minato und eines der Wahrzeichen der japanischen Hauptstadt Tokio. Der Tokyo Tower dient zur Ausstrahlung von 24 Fernseh- und Radioprogrammen und verzeichnet jährlich etwa drei Millionen Besucher.“ (Quelle)

Es war beeindruckend, die Metropole bei Nacht von oben zu sehen. Die Plattform befand sich auf, 150m. Die Häuser und Lichter reichten bis zum Horizont. Man konnte nicht im Ansatz sehen, wie riesige diese Stadt ist. Im Stadtkern leben ca. 8,5 Millionen Menschen auf einer Fläche von 621km². Berlin im Verhältnis hat auf 891km² ca. 3,4 Millionen Einwohnern. Die Metropolregion ist ca. 8500km² und dort leben 34 Millionen Menschen. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie gigantisch das hier ist.

Nach ein paar Ramen ging es dann ins Bett. Unsere Beine hatten es nach knapp 30.000 Schritte auch verdient!

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1 Kommentar

  1. Oma Mai 7, 2023

    Toll was ihr alles erlebt.viel spass noch.🤗🤗🤗

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