Autor: Matze
Ausgeschlafen ging es am nächsten Tag dann endlich mal zu einem richtigen Entspannungstag über. Am Fuße des größten Berges Japan befindet sich ein toller Ort für Jung und Alt, der bei uns heute auf der Agenda stand.
Das Fuji-Q Highland ist ein Freizeitpark gefüllt mit spektakulären Attraktionen, die bereit waren uns gewaltig durchzuschütteln. Der Weg von der Unterkunft zum Eingang dauerte nur entspannte zwanzig Minuten. Es war die perfekte Länge, um wach zu werden und einen Kaffee aus einer der vielen Automaten zu trinken. Der Gedanke daran, gleich im Freizeitpark zu stehen, macht einen dann doch zwangsläufig wieder zu einem Kind. Also wir ankamen, waren die Menschenmengen am Eingang dann doch überschaubar. Es war Nebensaison, somit war die Warteschlange keine fünf Minuten lang. Es war auch möglich, den Park kostenlos zu betreten und dann die Attraktionen einzeln zu bezahlen.

Für uns gab es aber eine Tageskarte. Dadurch mussten wir in einer Fotobox ein Bild von uns machen, da an den einzelnen Achterbahnen etc. eine Gesichtserkennung war, die dann wusste, dass wir Tageskarten besitzen. Der Park an sich war nicht wirklich riesig. Es gab mehrere Achterbahnen, ein Naruto Dorf, das Thomas Land und noch verschiedene, kleine Sachen für das jüngere Publikum. Ich würde sagen, der Park war kleiner als Belantis oder der Freizeitpark Plohn. Aber das tat nicht viel zur Sache, da sich hier ein paar weltberühmte Achterbahnen tummelten, welche zumindest unter den Fans sehr berüchtigt sind. Größe ist halt nicht immer alles. Für uns ging es natürlich direkt zum absoluten Highlight des Parks.
Die „Eejanaika“(jap. ええじゃないか) ist eine 4th-Dimension-Stahlachterbahndes Herstellers S&S Power, die am 19. Juli 2006 eröffnet wurde. Sie ist nach der X2 in SixFlags Magic Mountain, die bereits 2002 eröffnet wurde, die zweite 4th-Dimension-Achterbahn weltweit. Sie gilt als die schnellste, höchste und längste Achterbahn dieses Typs. Bei einem 4th-Dimension-Coaster sind die Sitze – ähnlich einem Wing Coaster– seitlich links und rechts der Laufwerke angeordnet und können vertikal definiert um 360° gedreht werden. Dies ist möglich durch den Einsatz von vier statt zwei Schienen: Das eine Schienenpaar dient als Laufschiene für den Zug, die anderen beiden Schienen dienen dazu, die Sitze rotieren zu lassen. Der unterschiedliche relative Abstand der Schienenpaare zueinander definiert die Position der Sitze, welche mittels Zahnräder und Zahnstangen verdreht werden. Laut dem Guinness-Buch der Rekorde ist „Eejanaika“ mit 14 Inversionen die Achterbahn mit den meisten Inversionen weltweit. Dies ist aber auf die Anzahl der Sitzrotationen zurückzuführen und nicht auf die Anzahl der Inversionen, die vom kompletten Zug durchfahren werden (Quelle). Ich kann die Fahrt gar nicht in Worte fassen. Allein dass man vor dem Start die Schuhe ausziehen muss, erzeugte direkt etwas Ehrfurcht. Die zwei Minuten Fahrzeit konnte mein Kopf kaum verarbeiten. Es ist verrückt, wie der Sitz einfach komplett andere Dinge zur Fahrtrichtung macht. Ich füge hier einfach mal ein Video ein. Es ist zwar schwer darzustellen, wie sich das anfühlt, aber für einen einfachen Eindruck ist das bestimmt ganz gut.


Die Achterbahn „Do-Dodonpa“ war bedauerlicherweise an diesem Tag nicht geöffnet. Sie wurde am 21. Dezember 2001 eröffnet wurde und damit die weltweit zweite Achterbahn, deren Launch mit Druckluft arbeitet. Die Fahrgäste haben drei Minuten Zeit, um sich mental vorzubereiten, währenddessen baut sich der Druck im Launch-System auf, dann wird der Zug innerhalb von 1,56 Sekunden auf die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h beschleunigt. Dabei werden die Passagiere mit bis zu 3,27 g gegen die Rückenlehne der Sitze gedrückt. Manchmal wird auch ein „Fehlstart“ simuliert, und Sirenen heulen los, nur um die Passagiere gleich darauf mit einem „versehentlichen“ Launch des Zuges zu überraschen. Nach dem Launch folgt eine weite Kurve, bevor der Zug den 49 m hohen Looping durchfährt. Insgesamt legt der Zug dabei eine Strecke von 1244 Metern zurück (Quelle).

Ein weiterer Adrenalin-Kick wartete für uns in der „Takabisha“. Es handelt sich dabei um Stahlachterbahn der deutschen Firma Gerstlauer Amusement Rides. Sie wurde am 16. Juli 2011 eröffnet und ist mit einem maximalen Gefälle von 121° die zweit steilste Achterbahn der Welt. Sie ist vom Modell Launched Euro-Fighter, auch genannt Kataplektor, und die zweite Anlage dieser Art (Quelle). Man kann sie ein wenig mit der „Huracan“ aus Belantis vergleichen, nur ein wenig krasser.

Die letzte Achterbahn war dann die „Fujiyama“. Sie ist eine Stahlachterbahn vom Modell Sitdown des Herstellers Togo, die im Juli 1996 eröffnet wurde. Zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung war sie mit 79 m die höchste Achterbahn der Welt, die erste Hyper-Twister-Achterbahn und hatte mit 70 m die weltweit längste Abfahrt. Beide Rekorde wurden aber bereits gebrochen. (Quelle). Die Achterbahn hatte zwar keine Loopings oder andere besonderen Dinge, aber die über zwei Kilometer Länge und die Fahrzeit von 3:36 machten verdammt viel Spaß.
Der Rest des Parks war auch verdammt cool, aber jetzt auch nicht unbedingt der Rede wert. Die Achterbahnen waren schon die absoluten Highlights dort und wurden von uns auch mehrmals gefahren.






Ich habe mich allerdings für das Team geopfert und bin frühzeitig zurück zur Unterkunft gegangen, um mich um die Wäsche zu kümmern. Nachdem wir geregelt haben und wir wieder zusammengefunden haben, ging es weiter zu einer Tempelanlage, welche Kevin herausgesucht hatte. Diese ist sehr bekannt und der Ausblick von dort ist wohl einer der berühmtesten Fotomotive Japans. Der Fußweg vom Ferienhaus aus dauerte ca. 40 Minuten. Zwar etwas nervig, aber wir kamen zumindest so auf unsere Schritte.
Am Fuß der Tempelanlage mussten wir feststellen, dass hier unendlich viele Treppen bis nach oben führten. Nach wie vor mit enormen Muskelkater von Sapporo, haben wir uns der Herausforderung trotzdem gestellt und wurden mit einem kurzen Blick auf die Spitze des Fuji belohnt. Es ist unglaublich, wie es dieser riesige Berg schafft, sich hinter so wenigen Wolken zu verstecken. Ich füge hier auch mal ein Bild ein, wie es bei klarem Wetter aussieht. Uns war es leider nicht vergönnt, den Berg in seiner wahren Pracht zu erblicken. Und dieser Berg ist echt eine Macht. Der Blick aus der Stadt auf diesen riesigen Felsen muss unglaublich.






Nachdem wir uns von der beeindruckenden Schönheit des Tempels inspirieren lassen haben, ging es weiter zum Abendessen. Auf dem Weg dorthin hatten wir noch die Gelegenheit, mit einem alten japanischen Pärchen ein paar Worte auszutauschen.
Der Mann hatte erzählt, dass er ein paar Jahre in Heidelberg studiert hat und konnte sogar noch ein paar Brocken Deutsch. Wir berichteten auf Nachfrage ein wenig von unserer Reise. Das Gespräch war sehr nett und wir verabschiedeten uns herzlich.
Zum Abendessen ging es in ein lokales Restaurant der Stadt. Wir haben uns entschieden, nicht den direkten Weg zur Unterkunft zu nutzen, da Volker und ich noch ein Onsen besuchen wollten.
Das Restaurant hatte einen traditionellen Flair und welcher sich jedoch trotzdem modern angefühlt hat.Das Essen war schmackhaft. Allerdings musste Kevin, nachdem wir unser Essen schon erhalten haben, zu seinem Bedauern erfahren, dass sein Gericht alle war. Für ihn gab es dann noch rohes Rindfleisch mit einem Wasabitopping. Das Fleisch war unfassbar zart und die Soße sehr scharf, aber dennoch lecker. Da es schon recht spät war, sind Volker und ich frühzeitig losgegangen, da wir noch etwas von dem Onsen haben wollten. Von da an hat sich unsere Gruppe getrennt. Kevin und Felix sind in die Unterkunft und Volker und ich sind zum Onsen aufgebrochen.


Im Onsen angekommen wussten wir zum Glück schon wie alles läuft. Wir sind direkt zum Automaten, haben unsere Eintrittskarten geholt und dann ging es auch schon hinein. Glücklicherweise war dieser Onsen wesentlich schöner eingerichtet und war Schimmel-frei. Es gab hier auch mehrere Becken und eine Sauna – natürlich wieder mit TV. Hier haben wir es uns richtig gut gehen lassen. In dem Außenbecken haben ein paar ältere japanische Herrschaften anscheinend ein sehr interessantes Gespräch geführt. Es kamen immer mal ein paar andere dazu und haben sich beteiligt. An diesem Punkt haben wir uns mal wieder geärgert, dass wir nicht wirklich Japanisch konnten. Aber sei es drum…
Nach dem entspannten Onsengang ging es für uns dann auch zur Unterkunft. Dort haben wir uns dann noch um die restliche Wäsche gekümmert und die letzten Biere im Kühlschrank vernichtet. Danach ging es ins Bett. Es war mal wieder ein ereignisreicher Tag, welcher hinter uns lag.