Vergangene Urlaubsreisen hatten gezeigt, dass sich die erste Nacht in einem ungewohnten Bett meist als unruhig und wenig erholsam entpuppte. Doch was soll ich sagen… hier in Malta schlief ich wie ein Stein. Vermutlich hatte der lange und anstrengende Anreisetag seinen Teil dazu beigetragen, dass wir am Abend zuvor regelrecht ins Bett gefallen waren und sofort einen tiefen Schlaf fanden. Kevin und ich wachten also voller Energie auf und starteten gut gelaunt in den Tag. Heute stand eine Erkundungstour durch Valletta auf der Agenda. Doch first things first… eine Stadt lässt sich mit knurrendem Magen natürlich nur halb so gut erkunden. Da unser Hunger mindestens genauso groß war wie die Leere in unserem Kühlschrank, bestand die erste Herausforderung des Tages darin, ein geeignetes Frühstückslokal zu finden. Wir zückten also beide unsere Smartphones und suchten die Stadt in virtueller Form nach einem Café ab, in dem man auch vegan essen kann. Die Auswahl war diesbezüglich doch etwas beschränkt, aber das stellte für uns kein Hindernis dar. Nachdem wir mehrere Speisekarten verschiedener Lokale durchkämmt hatten, fanden wir ein kleines Restaurant zum Brunchen mit dem vielversprechenden Namen „Elephant Shoe“. Das sollte also unser erstes Ziel des Tages sein. Voller Vorfreude auf das leckere Essen, das uns dort erwartete, packten wir unsere Rucksäcke und zogen los Richtung Fähre, die uns nach Valletta bringen sollte.
Gestern hatten wir uns bereits ein erstes Bild der Stadt vom Wasser aus im Dunkeln gemacht. Doch nun bot uns die Fahrt bei Tageslicht einen gänzlich anderen Anblick. Farbenfrohe Ruderboote, luxuriöse Yachten und riesige Kreuzfahrtschiffe lagen im Hafen, im Hintergrund die sandsteinfarbenen Gebäude, geschmückt mit bunten Türen, Fenstern und Balkonen. Im Sonnenlicht wirkte die Stadt durch die vielen kleinen Farbakzente geradezu verspielt, gleichzeitig aber auch mächtig und eindrucksvoll aufgrund der imposanten Bauten und Mauern. Ich war von diesem Anblick so beeindruckt, dass ich gar nicht wusste, wo ich zuerst hinschauen sollte. Schon jetzt war mir klar, dass ich bei jeder weiteren Schiffsfahrt aufs Neue von dem Bild, das uns die Stadt bot, geflasht sein würde.





An der Anlegestelle angekommen, machten wir uns auf direktem Weg zum „Elephant Shoe“. Kevin übernahm die Navigation, und in Nullkommanichts standen wir vor dem Laden. Doch kaum dort angekommen, stieg uns ein beißender Geruch in die Nase. Schnell konnten wir die Ursache dafür ausfindig machen. Direkt vor dem Café stand eine Schlange von Pferdekutschen. Mehrere dieser wunderschönen Tiere waren dort der brennenden, erbarmungslosen Hitze der Sonne ohne Schutz und ohne Wasser ausgesetzt, gestresst vom Lärm und Trubel um sie herum. Sie fristeten dort ein trauriges Dasein, immer wartend auf die nächsten beleibten Touristen, die sie über die gepflasterten Wege der Stadt ziehen mussten. Wie konnte diese Art von Tierquälerei noch immer mit Spaß und Vergnügen verbunden sein? Es gab so viele andere, bessere Möglichkeiten, die Stadt zu entdecken.
Mit einem Gefühl von Hilflosigkeit und Traurigkeit wandten wir uns schließlich ab und betraten das Frühstückslokal. Abgesehen von ein paar wenigen Gästen im Außenbereich war das Café gänzlich leer. Wir suchten uns einen Tisch, studierten die Speisekarte und entschieden uns beide für einen Eiskaffee und einen frischen Orangensaft. Zum Essen gab es für mich ein veganes Rührei mit Kichererbsen, und Kevin bestellte türkische Eier, serviert mit einem Knoblauchdip, von dem er auch noch Tage später schwärmte :D. Das Frühstück war köstlich, die Bedienung superfreundlich, und die Ambientemusik war zwar viel zu laut, aber richtig gut. Nach und nach kamen auch immer mehr Gäste ins Café, sodass fast jeder Tisch belegt war, als wir nach dem Bezahlen aufbrechen wollten.


Gut gestärkt konnten wir nun unsere Erkundungstour durch die Hauptstadt antreten. Direkt neben dem Restaurant befand sich ein kleiner Park mit einer Aussichtsplattform, von der aus man gut über das Meer und Teile Vallettas blicken konnte. Der perfekte Ort, um ein paar Fotos zu schießen. Kevin hatte seine Kamera natürlich immer dabei, sodass er nicht nur die eindrucksvolle Kulisse der Stadt, sondern auch ein paar der schönen Blumen und Vögel im Park vor die Linse bekam.





Danach liefen wir eher ziellos durch die kleinen engen Gassen Vallettas und waren dabei immer wieder beeindruckt von der Schönheit und dem Detailreichtum, den dieser Ort bot. Auffallend war, dass jede Straße eine andere Szenerie hervorbrachte. Während die eine Gasse noch voller Trubel und Lärm war, war die nächste schon ruhig, menschenleer und beinahe einsam.



Nachdem wir die Stadt zu Fuß fürs Erste gut ausgemessen hatten, beschlossen wir, die Festung „Fort St. Elmo“ zu besichtigen. Ohne zu wissen, was uns dort erwartete, gingen wir auf direktem Weg dorthin. Am Fort angekommen, erfuhren wir, dass es heute als Museum für die Kriegsgeschichte Maltas fungiert. Wir zahlten den Eintritt und begaben uns auf die Reise in die Vergangenheit. Im Außenbereich, entlang der Festungsmauer, wurden wir in Form eines Zeitstrahls über die Kriegsgeschichte Maltas informiert, angefangen bei der großen Belagerung der Osmanen 1565 bis hin in die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Kleine Texte mit zusätzlichen Informationen zu den jeweiligen Ereignissen klärten uns gut über die Geschehnisse auf. Rund eine Stunde brauchten wir, um uns durch die einzelnen Abschnitte zu arbeiten. Wir gingen davon aus, dass die Ausstellung damit beendet war und waren schon dabei, Richtung Ausgang zu gehen. Eher zufällig entdeckten wir eine Treppe, die uns eine Ebene höher führte. Wir stiegen hinauf und stellten fest, dass der Zeitstrahl erst der Anfang des Museums war. Vor uns lagen ganze sieben weitere Ausstellungsgebäude, die sich jeweils mit einer Epoche der maltesischen Kriegsgeschichte befassten. Mithilfe von Infotafeln, Kurzfilmen und Exponaten des jeweiligen Zeitabschnitts wurden wir von der Bronzezeit bis zum Beitritt Maltas in die EU geführt. Der krönende Abschluss der Ausstellung war eine Projektion, begleitet durch Licht- und Soundeffekte, die das gerade Gelernte auf eine sehr anschauliche und immersive Weise zusammenfasste. Man fühlte sich, als wäre man selbst mitten im Geschehen.


Nach letztendlich drei sehr lehrreichen und interessanten Stunden verließen wir die Festung. Kevin und ich tauschten uns noch etwas über die Ausstellung aus und schlenderten dabei durch die Gegend. Wir kamen an einem Park vorbei und beschlossen, auch diesen zu durchqueren. Während Kevin damit beschäftigt war, alle möglichen Tiere und Blumen zu fotografieren, weckte vor allem ein Baum mein Interesse. An dem ansonsten eher unscheinbaren Gewächs hingen eine Vielzahl von langen Lianen, an deren Enden leider bereits verblühte Blumen wuchsen. Ich recherchierte im Internet, um herauszufinden, wie dieser Baum hieß. Und nun ja… er trägt den wunderschönen Namen „Leberwurstbaum“. Dieser Name kommt von den langen, wurstähnlichen Früchten, die die Pflanze hervorbringt. Belustigt von dieser neuen Erkenntnis zogen wir weiter, und so langsam bemerkten wir unsere knurrenden Mägen – Zeit zum Abendessen.


Das war unser Stichwort, um wieder einmal im Internet nach den Gaststätten der Stadt zu suchen. Zum Glück hatte Kevin, bevor wir die Reise antraten, bereits ein paar Restaurants auf Google Maps markiert, was die Suche nach etwas Essbarem deutlich vereinfachte. Wir entschieden uns für eine Bar namens „Tribe“, in der es vegane Burger geben sollte. Wir machten uns auf den Weg dorthin, doch als wir ankamen, folgte die große Ernüchterung. „Heute nur Getränke, keine Speisen“ hieß es. Also waren wir gezwungen, uns nach einer Alternative umzuschauen. Wir entschieden uns für das kleine italienische Restaurant „Rootz“, das sich zum Glück in unmittelbarer Nähe befand. Wir bestellten uns jeder ein Glas Wein und teilten uns eine Vorspeise – verdammt leckere Bruschetta. Ich hätte noch drei Teller davon essen können, so gut war sie, und ich glaube, Kevin ging es da sehr ähnlich. Wir hatten allerdings bereits unsere Hauptspeisen bestellt, die auch schon bald kamen. Es gab eine Art Fladenbrot, gefüllt mit verschiedenem Gemüse, Pistazien und Soße. Auch das war einfach richtig lecker.

Nach dem Bezahlen, suchten wir uns noch eine Bar, um den Abend bei einem Getränk ausklingen zu lassen. Wir wurden schnell fündig und genossen den Drink, den Trubel um uns herum und die noch immer laue Temperatur. Anschließend hieß es, ab in die Unterkunft. Doch bevor wir uns in Richtung Fähre bewegten, um zurückzufahren, mussten wir noch einen kleinen Einkauf erledigen, um für den nächsten Tag gut gerüstet zu sein. Wir fanden einen „Spar“, ein Geschäft, das auch in Deutschland und Österreich bekannt ist. Wir überlegten, womit wir unseren Gaumen in den nächsten Tagen verwöhnen könnten, und entschieden uns für einen beliebten Klassiker – Nudeln mit Pesto. Zum Glück fanden wir die vielfältigen Zutaten für dieses komplexe Gericht und konnten das Geschäft, nachdem wir noch ein paar weitere Sachen wie Brot, Wasser und Pulverkaffee kauften, verrichteter Dinge verlassen. Nun ging es aber wirklich in Richtung Wohnung. Wir liefen also zum Hafen, stiegen auf die Fähre und bewunderten noch einmal den Anblick Vallettas im Dunkeln. Ziemlich k.o. kamen wir in unserer Unterkunft an, sodass wir völlig erledigt in unser Bett fielen und schnell in einen tiefen Schlaf fanden.